Yucca

Yucca

Heute soll es um die Yucca gehen. Da wird sich so mancher denken: „Yucca?
Die Allerweltsdinger, die so ziemlich jeder in der Wohnung rumstehen hat? Die langweiligen immer gleich aussehenden, aber robusten Zimmerpflanzen, die selbst bei tiefschwarzem Daumen überleben?“
Ja, genau die – unter anderem.

Es gibt so unglaublich viele Irrtümer zur Yucca und gleichzeitig so viele Verschiedene Arten mit entsprechend vielen Möglichkeiten, dass ich hier mal ein paar Worte zu dieser Pflanze loswerden muss.

Fangen wir doch gleich beim häufigsten Irrtum an. „Yuccapalme“. Äh – nein. Die Yucca ist absolut keine Palme. Ganz und gar nicht. Der deutsche Name „Palmlilie“ setzt noch eins drauf. Gleich doppelter Unsinn. Denn immer noch keine Palme gehört sie auch nicht zu den Lilien. Echte Lilien gehören zur Familie der Liliengewächse Liliaceae und das sind Yuccas auch nicht.

Die Palmlilie oder Yucca ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Spargelgewächse Asparagaceae. Klingt merkwürdig? Nö, nicht wenn man sich den Aufbau der Fortpflanzungsorgane aka Blüten, woran sich ja das ganze botanische Ordnungssystem seit Carl von Linné, dem schwedischen Naturforscher des 18. Jahrhunderts orientiert, einmal genauer anschaut. Jedoch wird man die Blüte vermutlich im Zimmer kaum erleben, aber bei manchen Freilandyuccas hat man gute Chancen.

Die Größe spielt dabei übrigens keine Rolle. Die der Spargelpflanzen sind ganz winzige Glöckchen, während die Yucca einen meterhohen regelrechten „Schellenbaum“ voller großer Glocken hervorbringen kann. Hier mal ein Vergleich:

Und von nahem betrachtet sehen die Blüten sich schon eindeutig zum Verwechseln ähnlich. Wobei der Spargel Gelb und die Yucca Weiß blüht.

Der obige „Schellenbaum“ stammt übrigens von meiner Yucca gloriosa.

Die wohnt bei mir an der Gartentreppe und ist zu mir gekommen, wie das Kind zur Jungfrau. Denn vor gut 10 Jahren kam bei mir ein Päckchen mit Pflanzen an. Da hat ein männliches Forenmitglied, irgendwie über ein anderes Forum rausgekriegt, dass wir befreundet sind, hat dann das ungebetene Päckchen mit Pflanzen an meine Adresse und ihren Nickname geschickt, die er dem Impressum hier im Blog entnommen hat, mit der Anweisung (nein, nicht Bitte) es weiterzugeben. Schon die ganze Recherche muss ihn einige Mühe und Zeit gekostet haben. Blöde auch – meine Freundin wohnt hunderte Kilometer von mir entfernt und wir sehen uns nur selten leibhaftig. Ich hätte also die Pflanzen noch mal verschicken müssen, was weder finanziell noch für die Pflanzen sinnvoll gewesen wäre oder fast ein Jahr lagern, also hat meine Freundin sie mir überlassen („Spinnt der? Ich will die nicht.“). Ein Paradebeispiel von „Gut gemeint ist absolut nicht gut gemacht.“

Die Blaue Kerzenpalmlilie damals ein winziger Ableger, ist heute eine stattliche Pflanze, die ich, wenn man ehrlich ist, zu nahe an die Treppe gepflanzt habe (ich wusste halt grad nicht wohin mit dem Ding), weil sie immer schräg Richtung Treppe wächst.

Und Achtung: Sie hat an der Blattspitzen harte, extrem spitze Dornen. Diese sind nicht nur unangenehm beim Vorbeilaufen, sondern können für die Augen eine wirkliche Gefahr darstellen. Und das nicht nur für Kleinkinder, sondern auch für Erwachsene. Einmal blöde bücken reicht. Daher schneide ich regelmäßig mit einer Küchenschere die Spitzen der Dornen ab.

Wenn man die kompletten unteren Blätter der Pflanze, die verdorren, jedes Jahr wegschneidet, bildet sich mit den Jahren ein Stamm – hier sogar mit Seitentrieben. Leider hat sie nur dieses eine Mal geblüht. Ich warte sehnsüchtig auf Wiederholung.

Weiter geht es mit Yucca gloriosa variegata ebenfalls eine Blaue Kerzenpalmlilie allerdings mit gelben Streifen entlang der Blattränder. Sie sind schon vor Jahren in meinen Garten eingezogen. Zwei stehen im Hang und eine am kleinen Teich. Seltsamerweise wollen sie kein bisschen wachsen. Sie gehen nicht ein aber sie legen auch nicht zu. Ich habe keine Ahnung was das soll, aber Aufgeben ist keine Option.

Anders die Yucca filamentosa oder auch Fädige Palmlilie. Sie bekommt keinen Stamm, aber dafür jede Menge Ableger. Damit kann sie im Laufe weniger Jahre eine große Fläche besiedeln, solange man ihr die Kindel nicht wegnimmt. Wobei man damit nicht zu gründlich sein sollte. Denn die einzelne Rosette stirbt nach der Blüte ab und muss entfernt werden. Dafür bilden sich dann wieder neue Tochterrosetten. Auch davon gibt es Sorten mit panaschierten Blättern.

Ich hatte einst eine größere Fläche voller Y. filamentosa im Vorgarten stehen. Wegen Tiefbauarbeiten an den Kanälen musste sie weichen. Dummerweise habe ich damals keine Rosetten behalten. Platzmangel. Denn nach den Arbeiten wurde aus dem Vorgarten mein heutiger Küchengarten. Aber im Hang habe ich vorletztes Jahr eine winzige Rosette gepflanzt, die ich tatsächlich noch in einem Beet gefunden habe. Da muss noch ein Wurzelstückchen im Boden gewesen sein. Ich bin gespannt wie sie sich entwickeln wird. Bisher macht sie sich ganz gut.

Noch ein Hangbewohner, diesmal auf der anderen Seite. Dort steht die filigrane Yucca rostrata.

Schmales Laub, ein insgesamt zierlicherer Wuchs, die Blätter eher grau als grün. Leider wächst sie sehr langsam – 2 bis allerhöchstens 10 cm pro Jahr – und ist dementsprechend nicht gerade billig. Eine kleine Pflanze ohne Stamm liegt schon bei 50 – 60 €. Wenn man sie mit Stamm in seinem Garten sehen will, ist entweder viel Geduld und Zeit gefragt oder ein dickes Portemonnaie. Sie wächst gerade hoch, bildet einen Stamm und ähnelt dann am ehesten einer Palme. Endgröße ca. 4 Meter. Das dauert allerdings Jahrzehnte, und ich werde es sicher nicht mehr erleben. Sie habe ich vor 4 Jahren gekauft. Ein paar Zentimeter hat sie schon zugelegt. Sie hat übrigens auch Dornen an den Blattspitzen.

Und nun last but not least endlich – tadaaaaa!

Die Zimmeryucca oder Riesen-Yucca oder Riesen-Palmlilie oder, ganz korrekt, Yucca elephantipes.
Die bei mir den Sommer über aber auch im Garten steht.

Das ist die, die man in fast jeder Wohnung findet. Früher oder später taucht eine auf. Selbst wenn man sie sich nicht selber kauft, wird sie einem schon jemand schenken. Aber sie ist auch wirklich lohnend. Sie kommt mit unserer trockenen Heizungsluft spielend zurecht, verträgt leidlich die dunklen Winter ohne aufwändige Zusatzbeleuchtung, sie wächst dann höchstens schief Richtung Fenster. Ein paar Wochen in Urlaub ohne Gießvertretung? Auch kein Problem. Die einzige Möglichkeit sie umzubringen ist, sie zu ersäufen. Aber selbst dann ist sie zu retten. Einfach den oberen Teil absägen, in einen Topf mit Erde stecken und sie bewurzelt ganz schnell wieder.

Das ist auch das Mittel der Wahl, wenn elephantipes Programm ist und Yuccalein durch die Decke will. Einfach absägen. Aus dem unteren Teil kommen sehr bald schon neue Triebe. Meistens gleich zwei oder drei. Da die genauso schnell wachsen, lieber gleich ein bisschen tiefer absägen.

Und der obere Teil? Bewurzeln und den nächsten Raum begrünen. Oder verschenken, an jemand der noch keine hat. Nur mit dem Blühen wird es wohl so eher nichts werden. Ich habe jedenfalls nie eine blühende Zimmeryucca gesehen. Vielleicht in hohen Gewächshäusern oder Wintergärten?

Meine Aufzählung ist noch lange nicht vollständig. Es gibt noch einige. Beispielsweise die berühmten Joshua Trees Yucca brevifolia im gleichnamigen Nationalpark in den USA. Aber man sieht schon, dass es für fast jede Situation die passende Yucca gibt.

Die Gartenyuccas wollen allesamt Sonne und eher trockenen Boden. Die Winterhärte ist unterschiedlich ausgeprägt und man muss schauen, was in der eigenen Region gedeiht. Aber grundsätzlich kann man sagen, dass die frostverträglichen Sorten eher an Winternässe in schlecht drainierten Böden sterben und weniger an Kälte.

Und wer dann von dem palmenartigen Habitus der Yuccas immer noch nicht genug hat, sollte sich bei den Drachenbäumen umsehen oder bei den Keulenlilien. Aber davon ein anderes Mal.

Ach, noch etwas: In vielen südamerikanischen Restaurants bekommt man frittierte Yucca. Flüster … das sind gar keine Yuccas, sondern Maniok. 😉

Bis bald

                                                   

4 thoughts on “Yucca

  1. Hallo Claudia,
    ich hatte mal eine vom Friedhof gerettet und eingetopft. Sie mochte das gar nicht, irgendwann habe ich sie an einen Kollegen verschenkt, dort hat sie dann sofort geblüht…
    VG
    Elke

  2. Hallo liebe Claudia,
    so viele verschiedene Yuccapalmen gibt es? Das habe ich nicht gewusst. In meiner Wohnung habe ich natürlich auch eine. Wenn du sie im Garten stehen hast, kann ich sie vielleicht auch auf meinen Balkon stellen? Das wäre doch schön, über den Sommer.
    Ganz liebe Grüße
    Clara

  3. Hallo Claudia,
    zu Studentenzeiten hatte wohl jeder eine Yucca im Zimmer, gerne auf einer Jaffa.Kiste als Möbel …
    Mir würde im Garten am ehesten die Y. gloriosa ‚Variegata‘ gefallen, aber dafür habe ich keinen Platz.
    Die Pflanze auf dem 6. Photo sieht für mich eher aus wie eine Grünlilie. Hat die Yucca nicht die Streifen am Rand? Aber du wirst wissen, was du gepflanzt hast.
    Viele Grüße
    Susanna

    • Hallo Susanna,
      wenn du es sagst, sieht die Yucca optisch wirklich einer Grünlilie sehr ähnlich. Ist aber tatsächlich eine Yucca.
      Viele Grüße
      Claudia

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