Regen bitte – Regen!
Wer jetzt noch nicht mitgekriegt hat, dass uns der Klimawandel eine veritable Dürre beschert hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Austrocknende Flüsse, Wald- und Böschungsbrände, vertrocknende Ernten, die Folgen spüren wir alle, oder werden sie spätestens dann spüren, wenn die Preise weiter steigen, für Lebensmittel und für Sprit und damit die Transportkosten. Regen tut Not wie noch nie.
Aber auch unsere Gärten leiden sichtlich. Rasen gibt es schon lange nicht mehr, weder bei mir noch in der Nachbarschaft. Und wer jetzt noch einen grünen Rasen hat, sollte darüber nachdenken, ob das Sprengen wirklich noch das Mittel der Wahl sein sollte.
Bis Sonntag war das der Istzustand. Im Hohen Venn beispielsweise sieht es besonders übel aus. Große Torfflächen brennen in der Tiefe. Ob sie überhaupt gelöscht werden können ist fraglich. Es ist schon problematisch sie überhaupt zu orten. Es gibt durchaus ausgetrocknete Moore, die seit Jahrhunderten durchgehend vor sich hin kokeln und nicht gelöscht werden können.
Da waren die beiden Böschungsbrände gleich bei mir um die Ecke, bei dem jeweils „nur“ die Fläche eines Fußballfeldes abfackelte noch harmlos. Trotzdem ist man sehr unruhig, wenn es in unmittelbarer Nähe brennt. Man weiß halt nie, wie es sich bei der Dürre weiterentwickelt. Es reicht ja schon, wenn Wind aufkommt. Dann sind ein paar hundert Meter schnell überwunden. So blieb es glücklicherweise bei Rauch und ein wenig Ascheregen.
Selbst wenn noch jemand Wasservorräte in Fässern oder Zisternen hat, sollte er damit vorsichtig umgehen. Wenn das so weiter geht, werden Rationierungen kommen, dann ist man über alles froh, was noch in Tanks ist und mit dem man Gehölze und teure Beetbepflanzungen retten kann. Rasen treibt nach dem ersten Regen wieder aus, Stauden nicht wenn sie erst mal komplett verdorrt sind, Sträucher und Bäume nur vielleicht und wenn man Glück hat. Ob der Regen weiter anhält, oder nächste Woche womöglich die nächste Hitzewelle kommt, weiß heute noch niemand mit Sicherheit, aber so oder so ist gerade jeder Tropfen Wasser kostbar.
Ein Grund mehr aufzurüsten. Leider habe ich in einem Mietobjekt mit wenig Platz nicht die ganz großen Möglichkeiten. Trotzdem Habe ich einen 750 Liter Regenbehälter angeschafft. Der steht nun am Gewächshaus und sammelt das Wasser von dessen Dach. Nicht schön aber sinnvoll. Preiswert und mit geringem Versandvolumen und -gewicht, finde ich diese Behälter sehr praktisch. Schnell aufgestellt und ggf. an andere Stelle versetzt sind sie auch. Außerdem passt da auch endlich eine Gießkanne unter den Auslaufhahn und unten ist noch ein Schlauchanschluss. Genau so brauche ich das. Jetzt kann der Regen kommen.
Die alte Regentonne, die ja viel kleiner ist, steht dafür jetzt an der Terrasse und bunkert den Regen von der Markise. Zusätzlich kann ich, wenn ich einen Teilwasserwechsel am Pool mache, das Wassers dort hineinpumpen. So geht kaum etwas verloren. Ich finde, das sieht gar nicht so schlecht aus mit ein paar Pflanzen drumherum. Gäste fanden das ebenfalls, bis hin zu der Idee „Sieht aus wie ein Stehtisch in einer Cocktailbar“. Eine Regenkette musste ich haben, damit das Wasser nicht, von oben auf den Edelstahldeckel fallend, so einen Krach macht, besonders nachts. Was mir gefallen hat kostet rund 70 €. Aber wozu habe ich Meisenknödelhalter in Sommerpause? Das Ergebnis sehr ihr im Video.
Der Garten im Allgemeinen sieht mehr oder weniger mitgenommen aus. Nicht nur die Rasenflächen haben unter der Dürre die Biege gemacht. Sommerblumen sind kaum gewachsen. Wo letztes Jahr große Cosmeen standen, steht jetzt noch ein kleiner Mickerling. Die Löwenmäulchen haben so gerade überlebt. Zinnien haben Miniformat mit jeweils gerade einmal einer Blüte. Man muss schon genau hinsehen, um sie zu finden. Letztes Jahr um diese Zeit habe ich Sträuße davon geschnitten.
Ein Teil meiner neuen Hangbepflanzung hat sich verabschiedet. Sogar eine Wolfsmilch ist abgestorben. Unkraut wächst dagegen immer noch. Der Giersch beispielsweise. Aber den aus dem betonharten Boden zu kriegen ist fast unmöglich. Ich glaube, da würde ich mir auch viel zu viel im Hang kaputt machen wenn ich da mit Gewalt agiere.
Auch der Rest sieht nicht so toll aus. Maiglöckchen, Phloxe, Acanthus, selbst einige Sträucher wie die Pimpernuss Staphylea pinnata, die ja eigentlich im Mittelmeerraum zu Hause ist, ist nur noch so gerade am Leben. Das sind nur einige Beispiele.




Den unteren Teich musste ich täglich auffüllen, soviel Wasser verdunstete bei der Hitze. Ganz übel ist es jedoch am oberen Teich. Hier war das Wasser zum Teil innerhalb von zwei Tagen komplett verschwunden. Dabei ist mir erst einmal nicht aufgefallen, wie gut die Pflanzen um den Teich aussahen. Logisch, sie haben ganz klammheimlich ihre Wurzeln in den Teich geschoben und ihn gleich wieder leer getrunken. Das wieder in Ordnung zu bringen wird eine größere Aktion.
Das Gewächshaus ist die reinste Katastrophe. Noch keine einzige Tomate habe ich ernten können, trotz täglicher Bewässerung. Gurken gab es genau zwei Stück. Diese sind klein und bitter, trotz der bitterfreien Sorte. Es war einfach viel zu heiß darin. Tagsüber >50°C waren keine Seltenheit, obwohl ich schon einen Teil des Daches mit Planen bedeckt hatte. Jetzt scheinen sich die Gurken jedoch schlagartig zu erholen. Vorher dürre Dinger, treiben sie aus und setzen Früchte an. Witzigerweise gedeihen die Einmachgurken, im Vorgarten sehr gut und ich konnte schon reichlich ernten und sogar einmachen. Sie sind auch wunderbare Gurken zum Frischverzehr, wenn man die Stacheln abreibt und sie nicht zu groß auswachsen lässt, denn dann wird das Kerngehäuse zu sehr ausgebildet.


Bei den Tomaten lag die Sache anders und war eine Überraschung der unschönen Art. Es wurden nur wenige Früchte gebildet und die blieben klein. Irgendwann waren sie, noch grün, ganz verschwunden. Eine lag noch auf dem Boden, aber auch sie war am nächsten Tag weg. Es hat gedauert bis ich kapiert habe was da los ist. Ratten! Sie haben die Früchte alle abgefressen. An einer Seite des Gewächshauses habe ich eine Lücke in der Seitenwand gefunden. Da sind sie durchmarschiert. Seit die Lücke gestopft und die Falle in Aktion ist setzen die Pflanzen neue Früchte an. Wahnsinn, wenn ich bedenke, dass ich in normalen Jahren um diese Zeit schon Tomatensoße einkoche.
Ich meine, aus Sicht der Ratten kann ich es ja durchaus verstehen. Die wollen ja auch nur überleben. Ebenso wie andere Tiere auch. Der Igel beispielsweise. Man merkt, dass die Tiere kaum Nahrung finden. Sie sind hungrig und durstig. Deshalb bekommt Igel ‚Maggie‘ jetzt täglich Katzenfutter. Getrunken wird am Bach. Der hatte in den letzten Wochen eine magische Anziehungskraft auf alles was kreucht und fleucht. Ich bilde mir ein, sie war schwanger und ist es jetzt nicht mehr. So schnell nimmt man sonst nicht ab. Vielleicht bekomme ich ja bald Babyigel zu Gesicht.



Auf Nachbars „Rasen“ tummelt sich jetzt täglich eine Wacholderdrossel. Leider konnte ich nur schnell mit dem Handy ein paar schlechte Fotos machen. Bis ich die DSLR rausgekramt, das Tele aufgesetzt und das Stativ positioniert habe, ist Drossel längst wieder weg. Diesen schlecht gelaunten Gesichtsausdruck haben Wacholderdrosseln übrigens immer.



Im Haus ist auch etwas passiert. Eine junge Elster saß plötzlich im Wohnzimmer. Am Tag davor war es eine Grüne Mosaikjungfer (Libelle). Dann hat es sogar eine junge Ratte versucht. Es blieb glücklicherweise beim Versuch. Für ein kühleres Plätzchen geben Mensch und Tier gerade alles.
Nachts aber dann ein Schock. Ich hatte alle Fenster zum Lüften geöffnet. Blitzartig flatterten überall Nachtfalter – jede Menge – die reinste Invasion – alles Exemplare derselben Art. Sie müssen wohl direkt in Hausnähe irgendwo geschlüpft sein, und das Licht tat sein Übriges. Schwammspinner Lymantria dispar hatten das Haus geentert. Auffällig sind ihre wie Federn aussehenden Fühler. Wie ich gelernt habe, treten diese in Hitzeperioden auf, oft in Massen und sie sind Schädlinge. Sie können binnen kürzester Zeit ganze Bäume kahl fressen, die schlimmstenfalls absterben. Besonders Eichen, Edelkastanien und Obstbäume sind gefährdet. Das muss jetzt nicht auch noch sein. Den Gehölzen setzt der fehlende Regen schon genug zu. Schwammspinner sind zwar nicht so gefährlich wie die Eichenprozessionsspinner, aber auch bei ihren Raupen ist Vorsicht geboten, denn sie können beim Menschen allergische Reaktion auslösen. Die, die im Haus gelandet sind, werden keinen Schaden mehr anrichten.
Seit gestern dann endlich der lang ersehnte Regen. Damit verbunden kommt zwar ein veritabler Brandgestank aus der Luft mit herunter, aber das werden wir hier in Köln sicher noch länger haben – mit dem Wind aus Belgien. Aber auch Abkühlung hat der Regen im Gepäck. Nach fast 40°C über Wochen fühlen sich die 20°C gerade richtig nach Strickjacke an. Der Garten atmet sichtlich auf, die Tiere auch und ich muss mich erst wieder daran gewöhnen. Und die Brandgefahr ist endlich deutlich gebannt. Ich hoffe, es bleibt so.
Bis bald







Hallo Claudia,
dann wird dein neuer Behälter hoffentlich bald gefüllt sein.
Der Pimpernuss hätte ich auch mehr zugetraut. Beim Phlox ist klar, dass er ein Pflegefall ist, aber Gehölze sollten robuster sein.
Hier haben viele Nachbarn gar keine Regentonne, sie ist eben wie du sagst nicht soooo dekorativ. Aber trotzdem würde ich mir immer wieder eine anschaffen.
VG
Elke
Liebe Claudia, die lange Trockenheit hat unseren Gärten in diesem Sommer wirklich viel abverlangt. Auch bei mir wurde das Gießen irgendwann zur täglichen Hauptbeschäftigung, und trotzdem konnte man nicht alles so versorgen, wie man es gern getan hätte.
Umso schöner finde ich den letzten Teil deines Beitrags. Endlich Regen, kühlere Luft und ein Garten, der förmlich aufatmet. Gerade solche Momente erinnern mich daran, wie erstaunlich widerstandsfähig die Natur doch ist. Manches, das schon fast verloren schien, treibt plötzlich wieder aus oder beginnt sogar noch einmal zu blühen.
Vielleicht bin ich da einfach unverbesserlich optimistisch, aber selbst nach einem solchen Sommer entdecke ich im Garten immer noch sehr viel Schönes. Und genau danach halte ich gerade besonders gern Ausschau.
Liebe Grüße
Anette
Hallo Claudia,
hier hat gestern der lang ersehnte Regen eingesetzt und es soll noch mehr geben. Alles atmet auf! Ich hoffe, unsere Gärten erholen sich. Selbst die Bäume sehen nicht gut aus …
Liebe Grüße
Susanna
Hallo Susanna,
ja, das ist hier auch so. Hoffen wir das Beste. Die Natur ist ja erstaunlich regenerationsfähig.
Viele Grüße
Claudia