Essen und trinken wie in alter Zeit

Lockdown macht dick

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Der Lockdown hat definitiv Einfluss auf die Figur. Wenn man nicht Hölle aufpasst, macht er dick. Ich für meinen Teil ertrinke gerade in Langeweile und gehe mit selbst zeitweise gehörig auf den Keks. Ich weiß, ich jammere auf hohem Niveau. Aber ich habe keine Kinder im Homeschooling, arbeite sowieso von zu Hause aus und gehe als Risikopatientin kaum vor die Tür. Irgendwann macht der ewig gleiche entspannte Trott aber echt keinen Spaß mehr.

Draußen herrscht eisige Kälte. Im Garten ist also nicht zu tun. Drinnen halten sich die Aktivitäten längerfristig in engen Grenzen. Irgendwann ist dann doch mal alles geputzt, ist nichts mehr da was man noch aufräumen und ausmisten könnte. Also strandet man früher oder später wie ein Wal auf dem Sofa. Die werden gerade durchgelegen wie noch nie und bald brauchen wir alle neue. (Pssst!:  Ich habe inzwischen den Verdacht die Hersteller von Polstermöbel haben beim Lockdown die Finger im Spiel.)

Mein Hirn sagt: “All you need is love, Pizza & Netflix”.  Besonders Pizza oder anderes probates Futter. Ich scheine momentan unglaublich viel Zeit mit Kochen und Backen zu verbringen – und Essen natürlich. Etwas Herzhaftes in Richtung Hausmannskost ist bei dem Wetter dann auch nicht zu verachten. Und da ich mich für Einrichtung und Geschichte interessiere, ist mir ein kleines aber feines Buch in die Finger gefallen, das all das in sich vereint.

 

“Essen und trinken wie in alter Zeit”
wurde von der Arbeitsgemeinschaft der regionalen ländlichen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg herausgegeben und von Ulmer verlegt.

 

 Essen und trinken wie in alter Zeit

 

Essen und trinken wie in alter Zeit

 

 

Der erste Teil zeigt uns, wie über die Jahrhunderte ein Küche aussah und wie darin gearbeitet wurde. Vom offenen Feuer in dem die Köchin (Jaja. Männer ließen sich dazu höchstens an Fürstenhöfen herab.) in Hitze, Rauch und Asche ein nahrhaftes und meist auch preiswertes Essen auf den Tisch zaubern musste, bis zum ersten Elektroherd. Vom Brunnen bis zur Spülmaschine und vom Eiskeller bis zur Kühltruhe. Von Backtagen und Schlachttagen.

Eine spannende Reise durch die Zeiten mit ihren technischen Entwicklungen. Lagerhaltung war früher existenziell wichtig. Da gab es am Ende des Winters an “frischer” Nahrung oft nur noch schrumpelige Hutzeläpfel und Rüben aus der Miete.

 

 

Essen und trinken wie in alter Zeit

 

 

Im zweiten Teil geht es um die einzelnen Nahrungsmittel; deren Geschichte und Verarbeitung. Viele alte Gemüsearten werden besprochen und Getreide, das heute wieder auf den Tisch kommt, zum Beispiel der Grünkern. Vom Räuchern und Wursten wird erzählt und vom Käsemachen. Die Verarbeitung von Streuobst und Milch. Und wie die Gegebenheiten die Essgewohnheiten verändert haben.

Und natürlich gibt es jede Menge Rezepte. Die rustikalen, bäuerlichen und oft schwere kalorienreiche Kost unserer Altvorderen ist allerdings heute nicht mehr gefragt, daher wurden die Rezepte auf den heutigen Stand gebracht und sehen plötzlich ganz modern und seeehr verlockend aus.

 

Essen und trinken wie in alter Zeit

 

 

Fürs Sofa ist es denn doch noch ein paar Stunden zu früh. Aber im Ernst: ich bekomme schon wieder Hunger. Und ich freue mich gerade unglaublich über Strom, fließendes Wasser – sogar in heiß – und meine saubere, pflegeleichte Einbauküche mit Ceranfeld und Kühlschrank und all den anderen technischen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts.

 

 

Bis bald

                                       

 

 

 

 

 

Essen und Trinken wie in alter Zeit
AG der regionalen ländlichen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg
2011. 160 S., 64 Farbfotos, kart.
ISBN 978-3-8001-5415-9.
€ 12,90.

 

 

 

 

 

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