Mittags in der Kantine – Krammetsvögel

Wir haben neuerdings eine Kantine. Nein, nicht, dass wir ein billiges und gutes Essen serviert bekämen. Die neue Futterstelle für die Gartenvögel ist gemeint.

Seit der Garten hell und die Aussicht gut ist, kommen auch wieder jede Menge Vögel zum Lunch. Über viele Jahre gab es Futter nur im Vorgarten. Hinten im Garten war ihnen die Lage zu heikel. Man – Vogel – konnte einfach nicht weit genug sehen ob und wer da womöglich angelaufen oder -geflogen kommt. Und weil auch Vögel nach dem Motto: “safety first” leben, blieben Futterstellen meist unbeachtet.
Das hat sich nun schlagartig geändert. Deswegen habe ich ihnen eine neue Buffetplattform spendiert.

 

 

Gleich auf 2 Etagen kann hier getafelt werden. Wer sich jetzt denkt, das Ding sieht aus wie eine Etagere, liegt genau richtig. Ist auch eine, nur ein wenig anders zusammen gebaut. Ich habe sie vor ein paar Jahren billig bei Ebay gekauft. Da gibt es sie auch noch 2- oder 3-stöckig. Sie stand bis vor ein paar Tagen in der Küche. Da Edelstahl problemlos zu reinigen ist, ist sie fürs Servieren für Mensch und Vogel ideal.

Sorry, wenn ein paar Fotos unscharf sind. Ich muss durch die Scheibe fotografieren. Je nach Lichteinfall ist das bei Doppelverglasung dann schwierig.

Die ersten sind wie immer die Kohlmeisen.

 

“Erst mal die obere Etage checken.”

 

 

“Dann die untere. Mal sehen was es da gibt.”

 

 

“Das ist erst mal genug.”

 

 

“Ach komm. Ein bisschen geht noch.”

 

 

 

Ganz oben pickt derweil die bessere Hälfte Meisenknödel. Manche mögens halt lieber fettig.

 

 

Als nächstes fallen die Spatzen ein. Laut und wuselig wie immer. Die Ringeltaube fühlt sich von den Gören gestört. Obwohl sie ja eigentlich an deren Fressgelage partizipiert. Denn sie krallt sich mit ein paar anderen Gefiederten was runter fällt.

 

 

Das Rotkehlchen ist auch so ein Bodenesser. Gefressen wird also durch alle Etagen.

 

 

“Hi du!”

 

 

Dank der neuen guten Fernsicht hat einer aber Pech am Buffet. Der Pelzträger findet das nicht witzig. Keine Chance auf Sonntagsbraten. “Blöde Vögel!”

 

 

 

 

 

Ich fand diese neue Futterstelle auch ganz praktisch, weil große Vögel wie Elstern, Krähen und Dohlen nicht ran kommen. Die sind einfach zu groß. Und da diese Krähenvögel bei uns inzwischen schon zur Plage geworden sind, muss ich sie nicht auch noch füttern. Die kennen sowieso schon jeden Mülleimer an jedem Imbiss und Mäckes in der Gegend, und schleppen mir den Essensmüll hier an. Bäh!

Höchstens ab und zu verirrt sich mal eine Elster an die oberen Meisenknödel. Dann verschwinden alle anderen Vögel blitzartig.

 

 

Wie gesagt – die Etagere trägt keine großen Vögel. Räusper!!!

Ähem – ja.

 

 

“HEY, glaubst du wirklich ich würde hier nicht rein passen?”

 

 

“Na, dann pass mal auf.”

 

 

“HAH!”

 

 

“Siehste? Sogar ganz und quer. Da guckste blöd, neh.”

 

 

“So. Genug geturnt. Fressen!”

 

 

 

Heute kam überraschend noch jemand zum Futtern. Aber nicht an den Futterplatz sondern in die Eberesche. Da hängen noch ein paar verschrumpelte Beeren, die keiner mehr will.  Bis auf die Wacholderdrossel Turdus pilaris, die sich hier nur im Winterhalbjahr und auch dann nur äußerst selten sehen lässt. Und sie ist dank ihres eigentlich bunten aber doch perfekt tarnenden Gefieders nur schwer zu sehen. Auch der Sucher der Kamera hat damit seine liebe Not.

 

 

Wacholderdrosseln sind zwar nicht gefährdet, aber die Grenze ihres Vorkommens verschiebt sich erst in den letzten Jahren zu uns nach Westen. Ich habe die erste vor einigen Jahren gesehen. In einem schneereichen Winter lieb die Drossel in der Nähe einiger Äpfel, die ich raus gelegt hatte. Werde ich wohl jetzt wieder ein paar Äpfel kaufen müssen.

Erst ganz hinten im Baum kam sie immer ein wenig näher Richtung Haus. Sehr praktisch, denn das Teleobjektiv hat auch so seine Grenzen. Deshalb sind die meisten Fotos hier Ausschnitte.

 

 

So, noch näher geht nicht.

 

 

Übrigens werden Wacholderdrosseln auch Krammetsvögel oder Kramtsvögel genannt. Wem das jetzt irgendwie bekannt vorkommt, hat wahrscheinlich mal ein altes Kochbuch in der Hand gehabt. So eins wie meines aus dem Jahr 1903. Allerdings braucht man pro Person drei Vögel(chen), denn eine Wacholderdrossel hat ungefähr die Größe einer Amsel. Gerupft bleibt da nicht viel übrig. Wenn man sich vorstellt wie viele man da brauchte um sie auch noch in Büchsen als Vorrat ein zu machen … Gefangen wurden sie übrigens mit Schlingen aus Rosshaar in Ebereschen. Und das in Massen.

 

Quelle: Praktisches Kochbuch von Davidis-Holle, 1903

 

Unsere Wacholderdrossel braucht keine Angst zu haben. Sie darf fressen statt gefressen zu werden.

 

 

 

Bis bald

                                       

8 thoughts on “Mittags in der Kantine – Krammetsvögel

  1. Ich traue meinen Augen nicht: Ihr habt SITTICHE als Tischgäste? Wie genial ist das denn? Und ich dachte schon mein Zaunkönig wäre was besonderes. Wie schön dass sich dieser Exot bei Euch sehen lässt. Von einer Wacholderdrossel habe ich bisher noch nie gehört. Was es nicht alles gibt….. Deine Vogelfutterstelle sieht nett aus. Mir wäre sie allerdings zu klein. Die müsste ich stündlich auffüllen bei dem Ansturm der hier aktuell herrscht. Liebe Grüße und hab einen schönen Tag,
    Krümel

    • Hier in den Reihenhausgärten gibt es ganz viele Futterstellen. Da verteilt es sich. Die kommen sogar zu unterschiedlichen Zeiten an die einzelnen Stellen. Hier zum Mittagstisch, beim Nachbarn rechts zum Dinner usw..

  2. Hallo Claudia, ganz lieben Dank für deinen Besuch! Freude wird durch teilen ja bekanntlich größer.

    Uh Mann, ich habe auch den Begriff Krammetsvogel gegoogelt, weil ich den für die Drossel noch nicht gehört hatte, bei der Beschreibung der Zubereitung auf Wiki dreht sich einem ja der Magen um. Was man meinte alles Essen zu müssen. Da fällt mir ne Menge Abstruses aber deutlich effektiveres ein.

    Liebe Grüße zurück!

    • Die Vögel sind noch harmlos. Wenn man bedenkt, dass Maikäfersuppe auch mal eine Delikatesse war, und fürs Sammeln der Käfer Prämien gezahlt wurden. Falls die mal jemand nachkocht – bitte lad mich nicht zum Essen ein.

  3. Hallo Claudia,
    das ist ja cool, wie der Sittich da doch Platz hat. Die Ringeltauben können sowas zum Glück nicht, so feist wie die sind. Aber die Sittiche sind leichter und sehr schlau. Hier latscht gerade eine Ringeltaube über die Terrasse und schaut, ob was vom Futter herunter gefallen ist.
    Habt ihr keine Eichhörnchen, die die Meisenknödel klauen? Oder Waschbären?
    VG
    Elke

    • Hi Elke,
      Waschbären gibt es hier in der Gegend gar keine – bis jetzt. Ich bin froh.darüber. Die sollen ja ganz schöne Vandalen sein wenn man sie erst mal hat. Eichhörnchen haben wir. Sie lassen sich im Moment aber nicht sehen. Nicht mal am extra für sie aufgestellten Nussspender. An den Meisenknödeln waren sie noch nie.

  4. Ich glaube mal gelesen zu haben, dass im Norden Sittiche sozusagen wild leben. Irgendwie finde ich das schon krass. Hab ich hier noch nicht gesehen. Da lob ich mir doch die heimischen Arten. Allerdings kommen die zu mir auch nur bedingt. Ich bin ganz begeistert, dass ich immer noch Meisen an den Futterhäuschen habe. Meist kommen sie im Spätherbst in Scharen und dann ein paar Wochen später herrscht die totale Flaute.
    Viele Grüße von
    Margit

    • Die Sittiche leben hier schon seit ca. 100 Jahren. In sofern sind sie schon fast heimisch – oder haben sich heimisch gemacht. Wenn wir unsere Pflanzen nur auf heimische Arten reduzieren wollten, gäbe es da auch nur das, was wir oft als Unkraut bezeichnen.

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