Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Die Gärten von Schloss Augustusburg

Gestern war mir nach Schlosspark. Gar nicht weit von Köln entfern und perfekt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, liegt in Brühl Schloss Augustusburg, manchmal auch im Volksmund schlicht “Schloss Brühl”.

Praktischerweise hat man nur ein paar Hundert Meter entfernt den Bahnhof Brühl gebaut. Einfach aus dem Bahnhof raus und geradeaus kommt man zum Tor und zum Schloss ist es dann auch nicht mehr weit. Der Eintritt in die Gärten ist übrigens kostenlos.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.
Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Schloss Augustusburg (heute UNESCO-Weltkulturerbe) ist ein Rokokoschloss vom allerfeinsten. Hell, licht, pastellig uns romantisch. Alles, was man sich von dieser Ära erwartet – Augustusburg hat es.

1725 begannen die Bauarbeiten auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Wasserschlosses.
Bauherr war der Kölner Kurfürst und Erzbischof Clemens August I. von Bayern. Deshalb das, in unserer Gegend seltsam anmutende, blauweiße Wappen mit den bayerischen Löwen an der Fassade. Aber eigentlich war er ein Wittelsbacher – also Verwandtschaft von Kaiserin Maria Theresia und der unglücklichen Marie Antoinette. Da hieß es klotzen und nicht kleckern. Als Prunk- und Residenzschloss sollte es genau einen Zweck erfüllen – angeben. Die Herrlichkeit und Wichtigkeit seines Besitzers in die Welt schreien. Das dürfte gelungen sein. Abgesehen davon wurde Augustusburg dann, vielleicht zurecht, die Lieblingsresidenz des von der Falkenjagd besessenen Erzbischofs.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.
Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Aber mir ging es nicht um das Schloss an sich – obwohl ich es sicher bald einmal besichtigen werde – sondern um die Gärten, denn Augustusburg verfügt über einen der authentischsten Barockgärten Europas. Den findet man aber nicht wie üblich an der Rückseite des Schlosses, sondern ungewöhnlicherweise an der Seite. Wir gehen also jetzt einmal links um die Ecke und kommen zur großen Terrasse.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.
Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Gleich am Gebäude liegen die Parterres. Filigran, flach und absolut symmetrisch sollen sie die damals so beliebten Stickereien darstellen. Konzipiert sind sie so, dass sie aus den Prunkräumen im ersten Stock des Gebäudes den perfekten Anblick bieten. Denn erst von oben gesehen kommen die Broderien perfekt zur Geltung.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Es ist eine strategische Meisterleistung diese Parterrebeete zu bepflanzen. Und das gleich mehrmals im Jahr. Geschaffen wurde dieser Garten von Dominique Girard ab 1728. Dass Versailles hier, wie bei praktisch allen Gärten (und Schlössern) dieser Zeit, als Vorbild diente, versteht sich von selbst. Ein kleiner Ausschnitt zeigt die Anordnung der vorgezogenen Sommerblumen, die hier in einem ausgeklügelten Muster gesetzt wurden.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Leider hat auch in Augustusburg unübersehbar das Buchssterben Einzug gehalten. In weiten Bereichen sieht er ziemlich ungesund aus. Ein wirkliches Gegenmittel ist bisher noch nicht gefunden worden. Ich hoffe, es wird sich eine Lösung finden die Broderien zu erhalten.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Ein elementarer Bestandteil barocker Gärten ist Wasser. Hier findet man einen ganze Reihe Fontänen, die Höhe in diesen Gartenbereich bringen. Wenngleich aufwändig dekorierte Brunnenbecken fehlen.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Hinter dem großen Bassin steht die höchste Fontäne, die gleichzeitig den Abschluss dieses formalen Gartens bildet.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Das sieht übrigens beim Zurückblicken mit dem Schloss im Hintergrund besonders schön aus.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.
Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Bis hierhin ist der komplette Garten von Alleen aus Formschnittgehölzen und Hecken umgeben. In den Alleen stehen Bänke, die zum Verweilen einladen. Besonders wenn man wie ich an einem Vormittag in der Woche hier ist, herrscht himmlische Ruhe. Man hört nur Vogelgezwitscher und das Rauschen des Wassers.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Nach einer Pause ging es weiter. Am Ende des barocken Gartens, in dem man das Ziel hatte sich die Natur untertan zu machen und auf strenge Einhaltung der Form achtete, kommt man durch einen schmalen Durchgang in einen ganz anderen Garten.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Sobald man diesen Durchgang passiert hat, findet man sich in einer gänzlich anderen Stimmung wieder. Man steht im Wald.

Oder besser: in einem englischen Landschaftsgarten. Dieser wurde 1840, dem Geschmack der Zeit entsprechend, von niemand Geringerem als Peter Joseph Lenné gestaltet. Die Hauptallee verlängert die Sichtachse vom Schloss aus bis in den Kottenforst.

Und dann stand ich da und hatte die Qual der Wahl. Klar wird auch jetzt, dass hier kein wilder Wald wächst, sondern eine gewisse Symmetrie beibehalten wurde.

Links? Geradeaus? Rechts?

Ich habe mich dann für die goldenen Mitte entschieden, der Hauptsichtachse folgend. Am Ende findet sich ein Belvedere, ein Aussichtspunkt mit einer erhöhten Bankanlage. Von dort hat man den Blick in die Landschaft (und den nächsten Regenschauer) …

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

… oder zurück zum Schloss.

Zurück ging es dann nach linkst entlang von Benjeshecken …

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

… und zum Teil sehr alten Bäumen (hier eine Buche), die vermutlich noch aus der Zeit von vor der Anlage des Gartens stammen. Jedenfalls haben sie einen enormen Durchmesser. Drei bis vier Leute wird es brauchen sie zu umfassen.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.
Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Irgendwann kommt man dann wieder in Richtung Schloss und wieder an einen Durchgang. Es gibt viele davon und jeder macht neugierig.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Spätestens bei dieser sechseckigen Brunnenanlage weiß man, dass man wieder in einen formaleren Teil der Gärten kommt.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Oder doch nicht? Denn noch einen Durchgang weiter steht man vor einem Wassergraben mit Schilfbewuchs der von einer Brücke überspannt wird.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.
Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Über die Brücke geht es aber zur Gärtnerei, daher gehe ich am Kanal entlang Richtung Orangerie.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Und hier erwartete mich, wie ich zugeben muss, eine herbe Enttäuschung. Ich hatte mich nämlich ganz besonders auf den mediterranen Kübelgarten der Orangerie gefreut, den ich vor vielen Jahren besucht hatte, und der für mich den Höhepunkt darstellte. Unzählige verschiedenen Kübelpflanzen standen hier.

Und nun – nichts.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Statt der vielen exotischen Blüten, der Oleander, der Korallensträucher, Palmen und Zitrusgewächse und was sonst noch hier stand, war dieses kleine Randbeet aus Dahlien und Fackellilien alles, was ich vorgefunden habe. Ansonsten nackte Erde und arg gebeutelter Buchs.


Eine der Gärtnerinnen erzählte mir, dass ihr alter Chef ihr von den vielen Kübelpflanzen, die es hier früher gab, berichtet hätte. Leider wurden sie nach und nach abgeschafft. Schade. Sie sind doch der Sinn einer Orangerie und waren der ganze Stolz der Herrschaften.

Ich finde, sie müssen wieder her und die Orangerie wieder in Betrieb gehen. Im Sommerhalbjahr, wenn die Pflanzen draußen stehen, könnte im Gebäude sogar ein Pflanzenverkauf stattfinden. Die Besucher würde es freuen und die Kasse vermutlich auch.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Also weiter, der nächste Durchgang wartet. Diesmal mit Tor und Richtung Kirche. Die Gebäude erinnern an eine Klosteranlage.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Und wieder ein Durchgang.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Dahinter findet sich der Rosengarten. Viele verschiedene Rosensorten finden sich hier. Leider scheint das Hauptaugenmerk bei der Auswahl auf Duftlosigkeit gelegen zu haben. Eigentlich sollte es doch hier jetzt berauschend duften. Aber nein – nix – nada. Ob sich Clemens August damit zufriedengegeben hätte?

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Im Bogen geht es in einen Bereich mit Formschnittgehölzen. Hier sieht der Buchs noch ganz gesund aus. Die Palme im Hintergrund steht übrigens in der Gärtnerei – also nicht zugänglich. So wie der letzte noch existierende Orangenbaum und der letzte Korallenstrauch.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Hier scheint man mit verschiedenen Buchsersatzpflanzen zu experimentieren. Darauf lassen jedenfalls die verschiedenen Farben und Strukturen schließen. Das lang geschossene sieht nach Lonicera ‘Maigrün’ aus.

Schloss Austusburg Brühl - die Gärten.

Inzwischen bin ich wieder am Schloss angekommen. Ein bisschen wehmütig. Aber es war auch schön. Und so herrlich ruhig. Ich habe mit vorgenommen wieder zu kommen. Aber dann will ich das Schloss besichtigen. Doch jetzt schließt sich hinter mir erst einmal das Tor.

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Schloss Augustusburg Info

Bis bald

                                                   

3 thoughts on “Die Gärten von Schloss Augustusburg

  1. Hallo Claudia,
    das Schloss ist gar nicht sooo weit von uns und auch noch Weltkulturerbe, warum habe ich noch nicht vorher davon gehört? Vielen Dank, dass du mich in diesen schönen Garten mitgenommen hast!
    Dass der Garten seitlich vom Schloss liegt, finde ich auch bemerkenswert. Wie mag es dazu gekommen sein? Dass die Pflanzen im Kübelgarten fehlen und der Buchs so mitgenommen aussieht, ist sehr schade. Er wird wohl kaum zu retten sein.
    Liebe Grüße
    Susanna

    • Hallo Susanna,
      die Lage des Gartens an der Seite hat möglicherweise mit den Kutschen zu tun. Die fuhren nämlich vorne durch den großen Bogen in das Gebäude hinein, entließen die Fahrgäste gleich im berühmten Treppenhaus und fuhren hinten wieder hinaus zur Straße. Das wäre im Garten vermutlich ein bisschen viel Verkehrsaufkommen gewesen.

  2. Hallo Claudia,
    das Schloss ist wirklich schön und einen Besuch wert. Besonders gut gefallen mir die Spiegelungen des Schlosses im Wasser. Aber auch die Parkanlage sieht schön aus, auch wenn es an einigen Ecken anders aussieht als früher. Vielleicht wird da ja wirklich mit einer Alternative zum Buchs experimentiert, da gibt es ja einige Möglichkeiten. Kann ja sein das es beim nächsten Besuch alles schon wieder ganz anders aussieht und die Ruhe in so einer Grünanlage ist ja immer herrlich.
    Liebe Grüße und einen schönen Start in die Woche wünscht
    Gabi

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