Grand-Place Grote Markt Brüssel

Brüssel – endlich!

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Kaum zu glauben, ich war in Brüssel. Wie so kaum zu glauben? Ganz einfach. Brüssel war ein Geburtstagsgeschenk von Tochter und Schwiegersohn. Allerdings vor zwei Jahren. Und dann kam – genau – Corona. Aber jetzt wurde der Ausflug möglich. Also nix wie hin.

Dass man sich erst mal über einen Ort *schlau macht, ist klar. Jedenfalls bei einem gezielten Besuch. Dabei ist mir immer wieder der Hinweis aufgefallen, dass Brüssel ganz großartig zu Fuß zu erkunden sei. Alles fußläufig gut erreichbar. Glaubt denen kein Wort! Ich wette, die Herrschaften, die das schreiben, haben alle von einem abgeschrieben, der nie dort war.


Brüssel ist groß und Brüssel ist weitläufig. Für einen Bummel durch die Innenstadt mag “fußläufig schnell erreichbar” stimmen, aber wehe, man will mehr sehen. Dann bringt man Stunden nur mit Laufen von einem Ziel zum anderen zu. Das ist gerade bei Tagesausflügen unnötig verschwendete Zeit und Energie. Was schon dadurch klar wird, dass diese Stadt sehr viel alte Bausubstanz hat. Jede Menge davon sind riesige Prachtbauten mit entsprechenden Fassadenlängen.

Angekommen sind Tochter und ich nach ca. 2 Stunden Fahrt ab Köln am Bahnhof Bruxelles-Midi/Brussel-Zuid. Ja, die Stadt ist zweisprachig, Französisch und Niederländisch, aber fast jeder spricht auch Englisch. Somit ist Verständigung in der, vermutlich europäischsten Stadt Europas überhaupt, nicht wirklich ein Problem. Schließlich ist sie ja auch Sitz des Europaparlaments.

Vom Bahnhof aus sind wir dann losmarschiert – gut eine Stunde lang – ziellos – nicht enden wollend und immer bergauf. Google-Maps war auch nicht wirklich hilfreich. Wir waren dabei obendrein in einer echt nicht hübschen Gegend unterwegs.
Dann der erste Lichtblick. Wir waren an einem Punkt angekommen, von dem aus man einen wunderbaren Ausblick über die Dächer der Stadt hatte. Rechts im Bild hinter dem riesigen Hochhaus immer geradeaus am Horizont steht übrigens das Atomium – nur um einen kleinen Eindruck von den Dimensionen zu bekommen. “Fußläufig gut erreichbar” sollte noch zu unserem Running Gag werden.

Blick über Brüssel

Sich dort hinauf zu quälen hatte ein paar Vorteile: Überblick bekommen, ausruhen, und es geht jetzt bergab. Erst mal wollten wir zu Königs. Aber dorthin zu kommen würde noch dauern. Zuerst mal runter vom Berg.

Nun kamen wir in eine weitaus intressantetere Gegend und dort zu einer der imposantesten gotischen Kirchen Belgiens, der “Église Notre-Dame des Victoires au Sablon”.

Gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite geht es in einen der unzähligen kleinen Parks, die Brüssel zu bieten hat. Nicht die weitläufigen und für mich etwas langweiligen englischen Landschaftsparks wie in Köln, sondern wunderhübsche, aufwändig gestaltete Kleinode. Eins davon ist der “Square du Petit Sablon”.

Eingefasst von einem schmiedeeisernen Zaun und 48 Säulen. Auf diesen steht jeweils eine Bronzeskulptur für jede Brüssler Handwerkszunft.

Außerdem gibt es neun Buschformationen. Eine für jede belgische Provinz – zum Zeitpunkt des Baus.

Im hinteren Teil des Gartens stehen vier Statuen, die die vier großen belgischen Humanisten Abraham Ortélius, Louis Van Bodeghem, Mercator und Rombaud Dodonée zeigen. Davor der Brunnen mit den Grafen von Egmont und von Hornes. Oppositionelle gegen die spanische Tyrannei im 16. Jahrhundert. Ein Kapitel für sich. Auf jeden Fall ein ruhiger Platz zum Ausruhen im Getümmel der Großstadt.

Am oberen Ausgang des Parks kommt man ins Botschaftsviertel mit wunderschönen historischen Bauten und bemerkenswert steilen und engen Gassen. Wenn man diesen weiter folgt, landet man irgendwann an nicht enden wollenden Zäunen mit Sichtschutz. Diesen sind wir wiederum gefolgt und zweimal links abgebogen standen wir hier. Man ahnt es schon.

Wir hatten das “Palais de Bruxelles” den königlichen Palast gefunden. In den belgischen Sommerferien ist der Palast für die Öffentlichkeit zugänglich. Jetzt sind leider keine Ferien, wir mussten also draußen bleiben. Aber auch von außen ist die Anlage mit ihrem “Vorgarten” ausgesprochen schön.

Der Mittelteil erinnert ein wenig an Buckingham Palace. Und auch hier gibt es einen Winkebalkon und einen großen Platz vor den Toren für das zurückwinkende Volk.

Palais de Bruxelles Königsschloss Brüssel

Gegenüber liegt der große Park de Bruxelles mit Cafés, Brunnen und dem “Théâtre Royal du Parc”. Diesen haben wir nur zu einem kleinen Teil durchlaufen und sind dann irgendwann links abgebogen und an dieser Treppe angekommen. Nur gut, dass es diesmal abwärts ging.

Treppe in Brüssel

OOOPS!!! Da fällt die Obrigkeit aber mal kräftig auf die Nase, wenn der Rebell aus dem Gulli den Polizisten zu Fall bringt. „De Vaartkapoen“ (ugs. Bez. für im Stadtteil Molenbeek Geborene) vor dem Gebäude der Communauté Française wurde 1985 von Tom Franzen geschaffen.

Inzwischen war Mittag – das machten uns unsere Mägen eindrucksvoll klar. Also galt es ein Restaurant zu finden. Das gestaltet sich in der Innenstadt immer einfacher, also wieder los. Wir sind dann auch fündig geworden und sehr gut und zu humanen Preisen gefüttert worden. Die inzwischen plattgelatschten Füße durften sich auch eine Stunde ausruhen. Hatten sie dringend nötig, bevor ich auch in der Gegend herumstolpere wie der Polizist.

Danach haben wir uns auf die Suche gemacht nach diesem Kerlchen. Um es vorweg zu nehmen: Wir haben das Manneken Pis nicht gefunden! Jedenfalls nicht das echte. Na ja, sehr groß isser ja nicht. Vermutlich haben wir ihn einfach übersehen. Dafür aber in Form von Schokolade als Souvenir in einem der unzähligen Schokoladenläden gefunden. In der Form durfte er mit nach Hause.

Manneken Pis

Noch um ein paar Ecken und durch ein paar Straßen, dann tat sich eine andere Welt auf. Nämlich die des 14. Jahrhunderts. Einer der schönsten Plätze Europas ist die Grand Place oder niederländisch der Grote Markt. Es ist unglaublich. Komplett rundherum stehen die Prunkbauten aus dieser Zeit ohne Unterbrechung durch Neubauten. Das habe ich, außer in Venedig, noch nirgendwo in der Form gesehen.

Grand-Place Grote Markt Brüssel

Diesen Platz müsste man an einem regnerischen Tag erleben. Ganz früh morgens, wenn noch kein Mensch in moderner Kleidung hier ist. Dann muss man sich fühlen wie in der Zeit gereist. Das herrliche Gebäude mit dem Turm ist übrigens keine Kirche, sondern das Rathaus.

Grand-Place Brüssel Rathaus
Grand-Place Brüssel
Grand-Place Brüssel

Jetzt sollte es zum Atomium gehen. Darauf war ich sehr gespannt, weil ich es auf Fotos, von der Größe her, einfach nicht einschätzen kann. Wir sind dann mal wieder losgelaufen und gelaufen und gelaufen. Dann hatte ich von “Fußläufig bequem erreichbar”die Nase voll. Aber sowas von!!!

Nach ein paar Fragen und einem sehr netten jungen Mann, der mich über die öffentlichen Verkehrsmittel und den Ticketkauf aufklärte, später haben wir uns fortan mit Bussen und Bahnen fortbewegt. Gut so. Denn zum Atomium wäre noch mal ein Fußmarsch von ca. einer Stunde nötig gewesen, denn es liegt etwas außerhalb im Nord-Westen der Stadt – alles bergauf versteht sich. Und das dann auch später wieder zurück zum Bahnhof. Also haben wir den Bus zum Atomium genommen. Von dort aus läuft man dann nur noch ca. 10 Minuten bergauf. Brüssel hat ein sehr gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz und die Busse und Bahnen fahren häufig.

Öffentliche Verkehrsmittel in Brüssel benutzen:

Das Ticketsystem ist das simpelste, dass ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Alle Busse, Bahnen und U-Bahn-Zugänge haben ein Lesegerät installiert. Dort hält man einfach jedes Mal beim Ein- und Umsteigen seine Maestro- oder Kreditkarte vor, fertig. Man kann dann für 2,50€ eine Stunde lang herumfahren. Wenn man mehrmals fährt, wird hochgerechnet bis zu einem Tageshöchstpreis von 7,50€. Mehr wird nicht berechnet und abgebucht.

Bevor einem beim Blick ins Konto der Schlag trifft: Auf meinem Konto, standen nach drei Fahrten drei vorgemerkte Abbuchungen von jeweils 7,50€. Das ist aber tatsächlich nur eine Vormerkung bis zum Ende des Tages. Dann erst wird abgerechnet und der Tagespreis ermittelt. Am nächsten Tag wurden die Abbuchungen dann völlig korrekt durchgeführt. Keine Ahnung, wie die das machen, aber es läuft großartig.

Und da waren wir dann endlich. An dem hinter dem Hochhaus am Horizont versteckten Wahrzeichen der Stadt – ihr erinnert euch?

Atomium Brüssel

Tatsächlich habe ich immer noch ein Problem mit der Größe. Wir sind nicht darin gewesen, denn das hat uns nicht so sehr interessiert, dass wir dafür 16,00 € pro Person hätten zahlen wollen. Aber alle Kugeln sind große Räume, die durch Rolltreppen verbunden sind. In der obersten Kugel befindet sich ein Restaurant. Das habe ich aber optisch nicht ganz auf die Reihe bekommen. Dafür sehen die Kugeln dann doch irgendwie klein aus von außen. Ganz merkwürdig. Aber Eindruck macht es schon.

Atomium

Himmel! Da würde ich mich nicht rauf trauen. Höhenangst verträgt sich nicht mit solchen Stufen.

Atomium Brüssel

Noch ein Blick aus der Ferne zum Abschied. Dann ging es zum Bahnhof und zur Heimfahrt.

Wir haben ganz viel gesehen und noch vielmehr nicht. Die Schlossgärten mit dem riesigen Gewächshaus zum Beispiel, die aber nur für zwei Wochen im Mai öffentlich zugänglich sind, oder das Europaparlament und so viele andere Ecken der Stadt. Brüssel ist eine wirklich sehenswerte Stadt mit sehr freundlichen, offenen Menschen. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen. Es lohnt sich.

Bis bald

                                                   

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4 thoughts on “Brüssel – endlich!

  1. Hallo Claudia,
    das ist ja wirklich sehenswert! Ich war noch nie dort, wenn wir in Belgien sind, dann immer am Meer.
    Wir sind zwar nicht so schnell da wie ihr, aber Köln ist ja mit dem ICE auch schnell zu erreichen.
    VG
    Elke

  2. Hallo liebe Claudia,
    in Brüssel war ich noch nie. Ich reise nicht viel, aber das ist ja wirklich nicht so weit weg. Besonders die mittelalterliche Altstadt ist interessant. Vielleicht kann ich Brüssel doch einmal besuchen.
    Ganz liebe Grüße
    Clara

  3. Hallo Claudia,
    ich war noch nie in Brüssel, aber deine Fotos und die Beschreibung eurer Eindrücke machen Lust, einmal selbst hinzufahren. Die alten Gebäude sind toll anzuschauen – wie schön, dass es sie noch in solcher Zahl dort gibt. Schade, dass du doch keinen Größenvergleich mit dem Atomium hinbekommen hast, das hätte mich auch interessiert. Ich wusste gar nicht, dass man da hinein kann!
    Liebe Grüße und dir ein schönes Wochenende
    Susanna

  4. Hallo Claudia,
    ich war noch nie in Brüssel, aber deine Fotos überzeugen sofort, dort mal hinzufahren. Dass das Atomium begehbar ist, wusste ich bisher auch nicht, aber 16 € Eintritt, das ist nicht wenig finde ich. Alles schafft man nie sich anzugucken, aber bei so schönen Städten kommt man doch gerne wieder, das kenne ich auch.
    Liebe Grüße
    Gabi

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