Passiflora – diese hohle Nuss

Die Nachbarin meiner Freundin – ihres Zeichens Brasilianerin und neu zugezogen – stürzte sich auf den Garten und pflanze eine Blaue Passionsblume, Passiflora cerulea, um genau zu sein. Diesen Sommer lauter Jubel – die ersten Maracujas hingen daran.

Klein und grün noch, aber einer tropischen Mahlzeit steht doch sicher bald nichts mehr im Wege. Im kalten Deutschland der Geschmack von Zuhause. Wie geil!

Passionsblume

Tja, jetzt versetze man sich in meine gartenerfahrene Freundin, die die Nachbarin aus dem Maracuja-Höhenflug auf den Boden der Tatsachen zurückbringen muss. Nicht angenehm. Denn die Früchte der Passiflora cerulea sind allesamt hohle Nüsse. Nix drin außer ein wenig wattiger Innenverkleidung in der Schale. Sowas von desillusionierend, kann ich euch sagen.

Mir ging es beim ersten Fruchtansatz meiner Passionsblume genauso. Nach dem Jubel kam die Ernüchterung. Grund sind die Befruchter. In ihrer natürlichen Umgebung werden sie von Kolibris und Fledermäusen bestäubt. Kolibris leben hier (noch) nicht und unseren Fledermäusen sind Blumen zu vegan, weil Insektenfresser. Aber auch wenn sie bestäubt würden, haben die Früchte mal gerade die Größe einer besseren Cocktailtomate. Da also nicht so viel zu holen, wäre aber immerhin besser als nix.

Meine Passionsblume ca. 20 Jahre alte Passionsblume war einmal ein Prachtexemplar, ist dann fast verschwunden, um in diesem Sommer plötzlich wieder zu wirklich bemerkenswerter Größe heranzuwachsen.

Passiflora caerulea

Die Wand hoch in alle Richtungen über zwei Etagen, wieder bis nach unten und wieder hoch fast bis zum Nachbarn. Eine Fassadenbegrünung, die leider kaum jemand auf dem Zettel hat. Sie braucht nur irgendwas woran sie klettern kann. Das muss kein Spalier sein. Ein paar Drähte, Schnüre oder das olle, langweilige Efeu reichen.

Die Blüten über den kompletten Sommer, waren kaum noch zu zählen. Und dazu jede Menge Früchte. Auch wenn sie zu nichts anderem nütze sind, hübsch sind sie jetzt im Herbst mit ihrem warmen Gelbton trotzdem.

Passiflora caerulea

Dieses Jahr saßen in den ersten Sommermonaten die Blüten viel zu weit oben an der Hauswand, um ranzukommen. Später habe ich es dann einfach vergessen. Nächsten Sommer werde ich hoffentlich daran denken ein paar der Blüten mittels Pinsel künstlich zu befruchten. Ob das auch bei P. cerulea funktioniert und ob dann wirklich was Essbares und Leckeres dabei herauskommt oder nur ein wattiges Etwas mit Samen werden wir dann sehen.

Man bekommt die Pflanzen übrigens gerade jetzt im Winterhalbjahr oft im Blumenhandel zu kaufen. Sie sind tatsächlich auch sehr unkomplizierte Zimmerpflanzen, insbesondere für sonnige Fenster. Ich kann mich noch gut an das berankte und prachtvoll blühende Erkerfenster meiner Schwiegeroma erinnern. Warm und gar nicht mal so hohe Luftfeuchtigkeit mag sie gerne. Heizungsluft ist also gar kein Problem, solange sie nicht direkt darauf steht.


Ich hätte gerne noch ein Exemplar mit weißen Blüten, das verwirrender Weise auch eine “Blaue” Passionsblume ist. ‘Constance Elliot’ heißt die robuste Schönheit. Nicht verwechseln mit Passiflora incarnata alba, die sehr spezielle Bedürfnisse hat, wie die vielen exotischen Sorten auch, die man über Spezialgärtnereien bekommt.

P. cerulea braucht im Garten praktisch keine Pflege, wenn sie sich erst mal etabliert hat. Man sollte jetzt ein gesundes Exemplar im Handel kaufen und bis Mai mit dem Auspflanzen warten. Dann ist es warm genug und die Pflanze hat noch genügend Zeit bis zum Winter gut einzuwurzeln. Ein wenig Kompost ins Pflanzloch und in der ersten Zeit nicht austrocknen lassen. Mehr ist nicht nötig.

In den Jahren darauf sollte im Frühjahr eine leichte Düngung gegeben werden, die nicht allzu sehr stickstoffbetont ist. Denn es soll eher auf Blütenbildung und weniger auf Wachstum gedüngt werden. Das Ding wächst frei ausgepflanzt ja sowieso bald wie Hulle. Wenn’s zu viel wird kann problemlos zurückgeschnitten werden. Und sicher gibt es dann auch bald jede Menge hübsche, hohle Nüsse.

Bis bald

                                                   

4 thoughts on “Passiflora – diese hohle Nuss

  1. Hallo Claudia,
    bei mir müsste die Passionsblume gar keine Früchte haben, die exotischen Blüten reichen mir völlig. Nachdem mir vor ein paar Jahren ein Exemplar erfroren ist, weder ich im nächsten Jahr noch einen Versuch starten. Diesmal soll es ‘Constance Elliot’ sein, sie wirkt so wunderschön elegant.
    Liebe Grüße
    Susanna

  2. Hallo Claudia,
    mir würden die Blüten auch völlig reichen, sie sehen so wunderschön aus, tolle Fotos hast du gemacht. Wäre wirklich interessant ob die Bestäubung mit der Hand klappt.
    Viele Grüße
    Gabi

  3. Hallo liebe Claudia,
    ich kann mich meinen Vorrednerinnen nicht ganz anschließen. Ich finde es sehr schön, wenn Pflanzen noch einen dekorativen Fruchtschmuck im Herbst haben, wenn die Blütezeit schon vorüber ist. Bei einer Rose schätzt man ja auch die Blüten und später die Hagebutten. Ich finde es schön, dass du nicht wie üblich nur über die Blüten der Passionsblume, sondern über die hübschen Früchte berichtet hast.
    Ganz liebe Grüße
    Clara

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