Zuckerschote 'Oregon Sugar Pod'

Flugschule und Zuckererbsen im Vergleich – Praxistipp

Ein Mordsspektakel, Krach ohne Ende. Und der war nicht sehr melodisch. Nein, es war ausnahmsweise kein Baustellenlärm. Sekunden später hatte ich das Gefühl in Hitchcocks “Die Vögel” gelandet zu sein. Ein riesiger Schwarm Rabenkrähen kreiste ganz tief über den Dächern. Es hat einen Moment Reaktionszeit gedauert bis ich auf die Idee kam mir mal schnell mein Handy zu schnappen und den “Spaß” zu filmen. Und weil nur Handy ist die Aufnahme 1. nicht so toll und 2. habe ich prompt das Ding hochkant gehalten statt quer.

Aber zurück zu den Raben. Die meisten der Vögel sind noch eher klein.  Denn es sind die Jungvögel der diesjährigen Brut die zusammen mit den Eltern eine Flugschule gründen. In der bringen die Alten den Jungen den eleganten, sicheren und wendigen Flug bei. Eben auch in den sich stetig ändernden Verhältnissen von Thermik und Wind zwischen und knapp über den Dächern. Der Anblick ist immer wieder beeindruckend.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=ZzyA7WUviPg

 

 

Gestern habe ich den ersten Schwung Zuckererbsen eingefroren. Bisher ging es eher nach dem Motto “Von der Hand in den Kochpott”.  Jetzt kommt der Überschuss in den kalten Vorrat. Wir wollen uns an dem Zeug ja nicht überfressen bis es keiner mehr sehen kann.

Dieses Jahr habe ich drei verschiedenen Sorten im Anbau. Und es ist wirklich erstaunlich wie extrem unterschiedlich sie sind.

 

Zuckererbsen

 

Mancher fragt sich nun wo der Unterschied ist zwischen normalen Erbsen und Zuckererbsen resp. Zuckerschoten. Ganz einfach. “Normale” Erbsen bilden an der Innenseite der Schoten eine sogenannte Pergamenthaut aus. Diese ist zäh, strohig und ungenießbar. Daher können hier nur die Samenkörner aus dem Inneren gepalt werden. Der Rest ist praktisch Abfall und das sind immerhin bis zu 60% der Ernte. Also in kleinen Gärten eher nicht so toll.

Ganz anders die Zuckerschoten. Sie bilden keine Pergamenthaut aus und daher sind sie (fast) komplett verzehrbar. Der Abfall ist verschwindend gering. Bis auf eine Kleinigkeit: Sie haben Fäden entlang der Außenkanten. Die muss man mit den Enden abziehen, sonst macht das Essen keine Freude. Wenn Sorten angeboten werden, die angeblich keine Fäden haben, ist das eher als Marketinggag zu verstehen und gilt allenfalls für ganz kleine Schötchen. Glaubt mir, sie haben alle Fäden – früher oder später.

 

Zuckererbsen

 

Um es vorweg zu nehmen – lecker sind sie alle. Aber die Eigenschaften sind so verschieden, dass ich sie einzeln beschreiben möchte.

 

Als erstes die ‘Zuccola’. Die habe ich schon seit ein paar Jahren im Garten. Sie wurde hier auch schon mal beschrieben. Kurz: Fleischige Schoten, die nicht so schnell zu weich werden wie die ganz flachen Sorten. Daher sind sie auch toll in Suppen, wie der Minestrone, für Frikassee oder in Mischgemüsen. Dürfen gerne auch mal Erbsen ausbilden ohne strohig zu werden.

 

Zuckererbse 'Zuccola'

 

Als zweite Sorte habe ich die ‘Oregon Sugar Pod’

Die habe ich zum ersten Mal. Und ich war ganz gespannt auf diese Sorte. Sie soll sehr süße Schoten haben, die gut in Rohkostsalate passen.

 

Zuckerschote 'Oregon Sugar Pod'

 

Meine Erfahrung ist eher zwiespältig – im Wortsinne. Der Ertrag ist sehr hoch. Sie produziert sehr eifrig Schote um Schote. Besser: Schötchen um Schötchen. Diese bleiben nämlich eher klein. Ein Manko ist, das sie so schnell sie wachsen auch schon Kerne ausbilden, und sobald diese auch nur ein bisschen gewachsen sind, doch eine Pergamenthaut ausbilden. Mann muss also täglich durch pflücken und alle abernten, die noch völlig flach sind, sonst endet das Essen in einer unfeinen Spuckveranstaltung.

Das ist der Fruchtbehang aus den letzten 24 Stunden. Und schon muss wieder geerntet werden.

 

Zuckerschote 'Oregon Sugar Pod'

 

Ich habe beschlossen jetzt das Gegenteil zu tun und die Schoten einfach hängen zu lassen, die schon fühlbar Erbsen beinhalten. Dann sehe ich die ‘Oregon Sugar Pod’ eben als Zweinutzungssorte. Schoten und Kullererbsen an einer Pflanze. Eigentlich ja auch nicht schlecht.

 

Zuckerschote 'Oregon Sugar Pod'

 

Kommen wir zur dritten und letzten Sorte. Ein Überflieger der letzten Jahre. Und ich muss zugeben ich habe sie haben wollen weil sie hübsch ist. Gemeint ist die Sorte ‘Shiraz’. Dunkel weinrote Schoten. Daher ist auch die Benennung dieser englischen Züchtung nach der Weinsorte passend. Die musste ich einfach haben. Im Gegensatz zu den blauen Bohnensorten, die beim Kochen dann doch grün werden, soll die ‘Shiraz’ tatsächlich auch nach dem Kochen ihre Farbe beibehalten. Und ja – sie tut es!

 

Zuckerschote 'Shiraz'

 

Auch sie bringt sehr guten Ertrag. Ist flachbreit und bildet auch nach ein paar Tagen noch keine Pergamenthaut. Die Kerne sind übrigens grün wie die Innenseite.

 

Zuckerschote 'Shiraz'

 

Ich habe letzte Woche die ‘Shiraz’ im Wok gebraten. Nur mit etwas Salz und Pfeffer gewürzt. Dabei hat sich die Farbe verändert. Sie wurden schwarz – kohlrabenschwarz. Das sollte man sich eigentlich für Halloween merken. Aber dann gibt es sie nur noch aus dem Tiefkühler. Und ob das mit den Blanchierten noch klappt wage ich zu bezweifeln.

Übrigens habe ich leider gestern keine Chance gehabt noch ein Foto vom Kochwasser zu machen. Es ging einfach zu schnell. Denn im Topf sieht es auch erst mal schwarzrot aus. Aber in dem Moment, in dem ich es in die Spüle gekippt habe, kam die wahre Farbe zum Vorschein. Ein sattes leuchtendes Türkis mit Lichtlitzen in Pink. Absolut irre. Ich stelle mir vor wie es aussehen muss wenn man eine Hühnersuppe mit Reis macht und darin eine Handvoll ‘Shiraz’ kocht. Das werde ich auf jeden Fall ausprobieren. Die Finger färben jedenfalls sehr gut.

 

Verfärbte Finger

Auch in Kombination mit Püree aus blauen Kartoffeln und Kürbisspalten oder Süßkartoffeln macht sich diese Zuckerschote bestimmt gut. Und die Gäste haben was zu staunen.

Wer mal etwas anderes will ist mir der ‘Shiraz’ jedenfalls gut bedient. Ich werde sie ab sofort ins Standartrepertoire meines Gemüsegarten aufnehmen. Die ‘Zuccola’ wird es auch weiterhin geben. Nur die ‘Oregon Sugar Pod’ wird es wohl nicht schaffen. Aber ich warte noch das Ende der Saison ab. Vielleicht ändere ich ja noch meine Meinung.

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Flugschule und Zuckererbsen im Vergleich – Praxistipp

  1. Ich liebe Zuckerschoten! Im Moment habe ich allerdings nur Salat, Kohlrabi und Zucchini angebaut. Ich will es ja nicht übertreiben mit dem Gemüse! Haha…
    Da ich ja nicht gerade begnadet bin, was den Anbau betrifft, muss ich mich da erst langsam ein wenig herantasten!
    Viele Grüße von
    Margit

    • Ja, ja. So habe ich auch mal angefangen. Und dann hat es sich verselbstständigt. Zuckerschote sind übrigens eine der leichtesten Kulturen. Trau dich ruhig. Jetzt ist noch Zeit.
      Viele Grüße
      Claudia

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