Drachenfels

Dragonfly auf dem Drachenfels

Letztes Wochenende war noch einmal so richtiges Traumwetter vorhergesagt. Also haben wir einen Familienausflug zum Drachenfels gemacht. Er ragt in Königswinter gleich am Rhein empor und ist tatsächlich der meistbestiegene Berg Europas.

Mit seinen 320,7 m ü. NHN ist der Drachenfels ja gar nicht sooo hoch, aber dafür so steil, dass man zu Fuß ungefähr 2,5 Stunden auf 7,2 Kilometern Wanderweg unterwegs ist. Dabei ist eher die Steigung und weniger die Zeit das Problem. Wer ungeübt ist, hat hier einen wirklich harten Brocken vor sich. Wir sind ungeübt aber es gibt für alles eine Lösung.

Auf diesem Stich aus dem 17. Jahrhundert ist der Felsen mit der Burg aus dem 12. Jahrhundert zu sehen. Sie wurde 1634  geschleift, um weitere Kampfhandlungen zu unterbinden. Denn in den Jahren des Dreißigjährigen Kriegs prügelten sich Schweden und Spanier um den Drachenfels. Danach wurde die Burg nicht mehr aufgebaut und zerfiel. Heute steht nur noch eine Ruine auf dem Felsen.

Auf dem Stich ist auch sehr gut eine breite Schneise zum Rhein zu sehen. Diese war eine Steinrutsche, denn der Felsen wurde zum Steinbruch. Trachyt – eine kostbare Sandsteinart – wurde hier in großen Mengen abgebaut. Unter anderem für den Bau des Kölner Doms. Ab 1807 wurde der Abbau verboten um den Berg vor der Zerstörung zu schützen. Das ist langfristig nicht wirklich gelungen. Aber dazu später noch ein paar Worte.

 

Drachenfels

 

Statt des Aufstiegs wählen wir die Zahnradbahn, die die Besucher schon seit 1883 auf das Plateau bringt. Für die Damen in ihren Korsetts war der Aufstieg damals noch mühseliger als für uns heute, deshalb war die Bahn eine echte Wende in Sachen Tourismus.
1958 verunglückte ein Zug, weil bei überhöhter Geschwindigkeit die Bremsen versagten und der Zug abstürzte. Es gab viele Verletzte und 18 Menschen starben. Diese Tragödie blieb glücklicherweise der einzige nennenswerte Unfall der Bahn in den 138 Jahren Betriebszeit. Damals wurden die Züge noch von Dampfloks gezogen, heute ist die Strecke elektrifiziert und die Sicherheitsstandards sind ganz andere.

 

 

Alternativ gibt es für Kinder bis 40 Kilo Gewicht die Möglichkeit im Sommerhalbjahr mit dem Esel auf den Drachenfels zu reiten. Allerdings ist das momentan wegen Corona nicht möglich.

Aber wie auch immer, dieses Plateau hier ist das Ende aller Transportmöglichkeiten. Ab dort geht es nur noch zu Fuß weiter. Auf dieser Lithografie ist noch sehr gut erkennbar wie steil der Felsen ist. Heute ist er weitgehend bewaldet und das Plateau hat sich mit den Jahrzehnten gewandelt.

 

Drachenfels

Drachenfelsplateau von Christian Hohe

 

Das Landsturmdenkmal ist geblieben, wenn auch ein wenig verändert. Ach ja, seht ihr? Es war ein Mondscheinspaziergang.

 

Drachenfels

 

Und die unglaubliche Aussicht auf den Rhein, das Siebengebirge und die Kölner Bucht ebenfalls. Leider war es noch ein wenig diesig und die Fernsicht nicht so wie sie sein könnte. Trotzdem ist es jedes Mal wieder atemberaubend.

 

Drachenfels

Drachenfels

Drachenfels

 

Auf dieser Ebene gibt es auch eine große Gastronomie. Aber erst die Arbeit dann das Vergnügen. Die Ruine wartet.

 

Drachenfels

 

Der Weg ist steil aber nicht allzu lang. Trotz Lungenkrankheit bin ich mit ein-zwei Pausen in 15 Minuten da rauf gekommen. Man muss also keine Angst vorm Aufstieg haben. Trotzdem, der Weg ist zwar asphaltiert aber es gibt direkt an der Ruine sehr unwegsamen Stellen. Ergo sollte man die Schilder ernst nehmen, Rumgeklettere  prinzipiell eher sein lassen und auch seine Kinder in Schach halten (auch wenn’s einigen Eltern offensichtlich schwerfällt).

 

Drachenfels

 

Vorbei am sprechenden Drachen – manche behaupten, von hier aus könne man mit Schwiegermutter reden –  …

 

Drachenfels

 

… und den Resten der äußeren Befestigung …

 

 

… kommt man der Ruine der Burg Drachenfels immer näher.

 

Drachenfels

 

Noch mal um die Ecke und wir sind oben.

 

Drachenfels

 

Fällt euch hier was auf?

 

Drachenfels

Wir werden beobachtet.

Drachenfels

 

Rund um die alten Gemäuer kann man gut den Trachyt sehen auf dem der Felsen besteht. Und der Grund für das Warnschild wird auch klar.

 

Drachenfels

Drachenfels

 

Wie es wohl drinnen ausgesehen hat? Würde ein Burgfräulein ans Fenster treten würde man sich nicht wundern.

 

Drachenfels

 

 

Was man hier im unteren Bereich des Fotos sieht, sind weder Bienenkästen noch Lautsprecher. In den Kästen befinden sich Messinstrumente, deren Sensoren rund um die Uhr Bewegungen im Fels messen und aufzeichnen.
In den letzten Jahren mussten immer wieder großräumig Teile des Drachenfels gesperrt werden, weil Felsstürze niedergingen. Zwar wurden aufwändige Sicherungsmaßnahmen unternommen, aber so ganz ohne ist die Sache immer noch nicht. Deshalb wird auch einer der Wanderwege rückgebaut und renaturiert. Die Gefahr ist einfach zu groß.
Auch der Winzer, der am Hang “Drachenblut”anbaut, hat damit zu kämpfen, wenn zur Zeit der Lese sein Weinberg gesperrt werden muss.

Der Stopp des Steinbruchs kam doch etwas zu spät.

 

Drachenfels

 

Genießen wir die Aussicht, solange es noch geht.

 

Drachenfels

 

Und dann wieder runter vom Berg zurück zum Plateau. So langsam bekommen wir Hunger. Dieser Tisch wird unserer. Die Gastronomie bietet mehr als Bratwurst, und die Qualität ist sehr gut. Es wird alles frisch zubereitet.

 

Drachenfels

 

Die beiden hier* haben wohl keinen Hunger. Sie sitzen vor dem neugebauten Haus der Drachenfels Restaurant & Eventlocation. Ein kubistischer Bau mit riesigen Glasfronten und einer breiten Freitreppe zum Sitzen und Aussicht genießen. Leider war schon alles besetzt.

*Mehr über die beiden unter Suchbegriff: “Amorphe Plastizität und kantige Kuben. Berg und Tal. Frau und Mann.”

 

Drachenfels

 

 

Gesättigt geht es zu Fuß Richtung Tal. Runter ist ja kein Problem. Abwarten!

Auf halber Höhe steht das Schloss Drachenburg. Vielen bekannt aus “Bares für Rares im Schloss”. Leider kommt man nicht einmal in den Park, ohne Eintritt (7,00 € p.P.) zu zahlen.

Wer jetzt glaubt, dies wäre ein echtes, altes Schloss, in dem einst der Adel seine Feste gab, der irrt. Der Prachtbau ist eher eine Villa und entstammt der blühenden Phantasie und der romantischen Verklärung eines zu Reichtum gekommenen Gastwirtssohns Ende des 19. Jahrhunderts. Er hat sich wohl von Ludwig II. und Neuschwanstein anstecken lassen.

Hier befindet sich übrigens auch die Zwischenstation der Zahnradbahn.

 

Drachenfels

 

Ein Stück weiter kommt man zur (ebenfalls kostenpflichtigen) Nibelungenhalle. Einer Ausstellung zur Nibelungensage mit Betondrachen und Reptilienzoo in einem Gebäude, das uns von der Ornamentik her etwas sehr an ungute Zeiten erinnert. Dass sie rund sind, ändert daran auch nichts. Wir sind nicht hineingegangen.

 

Drachenfels

 

Etwas weiter unten hat man dann den Blick auf den Petersberg. Heute eine Luxushotel, war es früher das Gästehaus der Bundesregierung. Alles was Rang und Namen hat, hat dort gewohnt. Von Queen Elizabeth II. bis Barack Obama. Hier kann, wer will, auch die tägliche Joggingstrecke von Bill Clinton nachlaufen.

 

Drachenfels

 

Unterwegs gibt es noch ein paar Verkaufsstände für Souvenirs und Honig. Es gibt viel zu sehen auf dem Drachenfels. Jeder kann sich das herauspicken was ihm gefällt. Einen Besuch lohnt es allemal. Auch ohne großes Budget.

Aber als wir unten ankommen, sind wir fertig mit der Welt. Es ist unglaublich wie der steile Weg bergab in die Beine geht. Besonders unsere Knie und Waden  merken wir gehörig. Ich werd noch ein paar Tage was davon haben.

Aber schön war’s auf dem Drachenfels.

 

Bis bald

                                       

 

 

 

5 thoughts on “Dragonfly auf dem Drachenfels

    • Ja, stimmt. Ich habe in Jahrzehnten alten Familienfotos sogar noch eins gefunden, wie ich auf so einem Esel sitze.

  1. Da hätte ich auch die Bahn genommen! Das letzte Stück ist noch anstrengend genug! Dafür ist die Aussicht atemberaubend. Es ist immer wieder faszinierend, welche tolle Orte unser eigenes Land zu bieten hat!
    Viele Grüße von
    Margit

    • Stimmt, Margit. Es gibt so viel zu sehen in Deutschland. Manchmal ganz in der Nähe. Das war vielleicht das einzig Gute an Corona und den Reisebeschränkungen. Man hat wieder mehr vom eigenen Land entdeckt.

  2. Liebe Claudia,
    auf dem Drachenfels war ich schon oft, ist ja quasi direkt um die Ecke. Aber seine Geschichte kannte ich nicht so gut, da habe ich jetzt einiges gelernt. Der Weg ist wirklich anstrengend, und ich kenne auch keinen anderen Weg, der teilweise so steil ist. Das merkt man schon.
    Mit der Bahn bin ich aber nur ein Mal gefahren, die Strecke ist ja doch recht kurz.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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