Omas Haarnetz

In meinem Garten wächst ein Haarnetz. Glaubt ihr nicht? Doch! Nicht auf Omas Kopf sondern am Fuß. Am Fuß?!? Jetzt wirds aber so richtig verrückt.

Der Geweihfarn Platycerium bifurcatum schmückt seinen Fuß mit einem solchen Netz. Wie man sieht leben Geweihfarne auf ziemlich großem Fuß.

 

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Irgendwo in diesem Gebilde verstecken sich die dünnen und faserigen Wurzeln, und die Frage wie der Farn damit einwurzeln kann beantwortet sich mit: Gar nicht!

Der Platycerium ist ein Epiphyt und wächst in den Baumkronen afrikanischer und australischer Wälder. Da diese Wälder so dicht und hoch sind, dass kaum Licht nach unten kann, muss der Farn nach oben. Dort siedelt er sich, ähnlich wie Orchideen und Bromelien, in den Astgabeln an. Aber dort sitzt er nur, er parasitiert die Bäume nicht. Nährstoffe bekommt er mittel seiner schildförmigen Nischenblätter die wie übereinander gestapelte Scheiben waagerecht über den Wurzeln liegen und nach und nach absterben. So bilden sie Humus aus dem der Farn seine wenigen benötigten Nährstoffe zieht. Zusätzlich verfangen sich hier Blätter und andere abgestorbene Partikel der Bäume, werden zersetzt und dienen zusätzlich als Dünger. Damit die Versorgung nicht unterbrochen wird, bilden sich immer neue Schildblätter die dann hellgrün oben auf liegen.

 

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Auf den absterbenden Blättern ist eine Schicht zu sehen, die an Schimmel erinnert. Aber jetzt bitte nicht auf die Idee kommen diesen “Schimmel” weg zu wischen. Denn er zersetzt die Schildblätter zu Humus und sichert das Überleben.

 

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In der Nahaufnahme sieht man auch das Netz aus dunklen Blattadern. Wenn dann irgendwann das ganze Blatt zersetzt ist, bleibt dieses grobfaserige “Haarnetz” übrig, das den Fuß einhüllt.

 

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Dauerhaft sind dagegen die oberen Farnwedel. Diese Blätter sind es auch, wegen derer der Geweihfarn zu seinem Namen kommt. Die Spitzen der Blätter spalten sich lappig auf und erinnern an Hirsch- oder Elchgeweihe, je nach dem welche der 18 verschiedenen Sorten Platycerium man hat.

 

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Auf diesem Geweih sieht man eine Schicht aus grauem Flaum. Ein Grund warum Geweihfarne fälschlich als schwer zu halten gelten, ist, dass übereifrige Hausfrauen und -männer, meinen Staub wischen zu müssen, und dabei diese Schicht entfernen. Ganz übel wird es wenn dann noch Blattglanzsprays oder Öl zum Einsatz kommen. Spätestens jetzt hat man ihn erfolgreich gekillt. Also lasst die Blätter staubig.

 

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An der Unterseite dieser Blätter bilden sich im Laufe der Zeit Sporenlager die der Vermehrung dienen. Leider ist die Vermehrung aus Sporen so kompliziert, dass sie Fachleuten überlassen werden muss.

 

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Der untere Teil von Platycerium ist eine kompakte und ziemlich schwere Masse. Einen Topf mit Erde muss er wegen seiner Lebensform nicht haben. Entweder man hängt ihn auf oder stellt ihn in einen höheren leeren Topf oder Übertopf. So wächst meiner seit vielen Jahren zufrieden vor sich hin – im Winter im Bad und im Sommer auf einem ganz schattigen Platz auf der Terrasse.

Während er im Sommer einfach vom Regen lebt und nur in längeren Dürreperioden übergossen wird, gestaltet sich die Pflege im Winter umständlicher. Licht braucht er nicht viel aber regelmäßiges Übersprühen oder -brausen muss sein. Am liebsten auch hier mit Regenwasser. Kalkhaltiges Leitungswasser ist nicht sein Ding, reichliche Düngergaben auch nicht. Nur ab und zu, in der Hälfte der angegebenen Konzentration, darf gedüngt werde.

Deshalb wohnt er im Bad. Ich stelle ihn einfach in die Dusche und gieße mit dem Brauseaufsatz auf der Gießkanne drüber. Nach ein paar Stunden ist er abgetropft und kann an seinen Platz zurück.

 

 

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