Praxistipp: Keimst du noch?

Jedes Jahr im Winter, spätestens im Frühjahr ist die Samensichtung fällig. Fast jeder der einen Garten hat, hat auch eine Samenkiste. Mehr oder weniger groß dimensioniert sammelt sich da im Laufe der Jahre so einiges an. Meistens viel zu viel.

Das sieht dann im besten Fall so aus. Hübsch nach Gemüsearten sortiert und unterteilt, findet man zumindest die Radieschensamen wenn man sie sucht. Das hatte ich aber auch schon ganz anders.

 

Samenkiste

 

Aber auch wenn sie hübsch geordnet sind – es sind eigentlich immer viel zu viele. Denn erstens kann man nur selten widerstehen wenn man neue Sorten sieht. Zweitens kann man doch nicht einfach Samen wegschmeißen wenn sich die Sorten als nicht so doll erwiesen haben (warum eigentlich nicht?), und drittens kriegt man auch mal was geschenkt.

Auch wenn sicher einige Leute andere Erfahrungen gemacht haben – aus Tauschereien aus Foren, Internettauschbörsen und ähnlichen unsicheren Quellen baue ich nichts mehr an. Nur allzu oft haben sich die Samen als nicht keimfähig oder nicht sortenrein erwiesen. Denn leider geben viel zu viele Leute Samen aus ihren Gärten ab, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben was sie da eigentlich tun. Gut gemeint ist halt nicht immer gut gemacht.

Von invasiven Unkräutern (Giersch – Name war dem Versender gerade entfallen – als Wildgemüse.) über die 5. Generation einer F1 Hybride, bis zu wilden Selbstkreuzungen kam da schon alles. Leider sieht man das Ergebnis oft erst am Ende der Saison wenn es ans Ernten geht. Neu zu sähen ist dann nicht mehr möglich, und wenn man nur begrenzten Platz hat um vorsichtshalber mehrere Sorten parallel laufen zu lassen, ist das dann mehr als ärgerlich.
Ab und an ist ein Experiment ganz nett und das mache ich auch. Aber grundsätzlich sollte das Gemüse im Küchengarten doch eine verwertbare Ernte bringen.

Jetzt sitzt man da mit seiner Samenkiste und überlegt. Im Idealfall mit einem Beetplan (den ich nie habe) – was in der kommenden Gartensaison in welchen Mengen auf welches Beet kommt. Welche Vor- und Nachkulturen werden gemacht? Was wird im Haus oder unter Glas vorgezogen und was kommt gleich ins Beet? Welche Sorten nehmen ich? Und nun die entscheidende Frage: Was ist denn von dem vorhandenen Saatgut noch keimfähig? Denn danach richtet sich am Ende meine Einkaufsliste, und das heraus zu finden gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Die Einfachste ist schlicht der Aufdruck auf den Samentüten. Das hilft auch schon beim Einkaufen im Laden. Bestenfalls drucken die Samenfirmen fein säuberlich unten auf die Rückseite der Verpackung alle nötigen Angaben. Da ist neben der Angabe bis wann die Samen haltbar sind auch die Angabe wann der Samen abgefüllt wurde – auch mal als WJ oder Wirtschaftsjahr – vermerkt.

 

Samentüte Haltbarkeit

 

Das ist aber so leider nicht immer der Fall. Manche Hersteller geben es so an: Das Haltbarkeitsjahr ist noch angegeben, nicht aber das Wirtschafts-/Abfülljahr. Oder doch? Es steht tatsächlich da. Aber leider verschlüsselt mit einem Buchstabencode. Dieses “N” gibt Aufschluss.

 

Samentüte Haltbarkeit

 

Allerdings nur wenn man weiß wofür es da ist – weiß kaum jemand – und obendrein im Laden ein internetfähiges Gerät beim Einkauf zu Hand hat um die Dekodierliste abzurufen. Denn die Buchstaben sind schlauerweise nicht in alphabetischer Reihenfolge. Wäre ja auch zu einfach. Also ähnlich unpraktisch wie die E-Nummern der Zutatenlisten. Liebe Hersteller: Das geht auch kundenfreundlich!

Deshalb hier eine Liste der letzten Jahre zum Abspeichern im Handy oder ausdrucken für euren privaten Bedarf. “N” bedeutet also das Saatgut wurde im Wirtschaftsjahr 2015-2016 abgepackt.

 

Samencodes WJ

 

Frage: Wieso braucht man dieses Datum wenn doch das Haltbarkeitsdatum drauf steht? Ganz einfach: Weil es DIE Haltbarkeit nicht gibt. Die oben gezeigten Samen werden nicht schlagartig am 01.02.2021 unbrauchbar oder am 01.01.2020. Bei der zweiten Tüte steht wenigsten “Mindestens haltbar”. Bei der ersten nicht mal das. Da wird doch wohl nicht Kalkül dahinter stecken. 😉

Die Haltbarkeit von Samen ist von einer großen Menge an Faktoren abhängig.

  • Das Wetter im Anbaujahr.
  • Das Klima am Anbaustandort.
  • Die Art der Trocknung.
  • Die Reinigung.
  • Die Aufbewahrung bis zum Abfüllen.
  • Die Art der Verpackung (Keimschutz oder nicht).
  • Die Temperatur  und Feuchtigkeit beim Transport und bei der Lagerung im Verkaufsraum.
  • Die Beschaffenheit der Transportverpackungen beim Onlinehandel. Ich habe schon von Postmaschinen gemörserte Radieschensamen aus einfachen Briefumschlägen gezogen. Anderen Samen sieht man Schäden nicht gleich an.
  • Die Lagereigenschaften beim Verbraucher

All diese Kriterien beeinflussen die Keimfähigkeit positiv oder negativ.

Und nicht zuletzt haben die unterschiedlichen Pflanzen ganz unterschiedliche Keimdauern. Manche Exoten sind schon nach ein paar Monaten steril, andere Samen halten Jahrzehnte. Im Internet findet man dazu Keimtabellen.

Hat man noch eine größere Menge Samen übrig und ist sich nicht sicher, will aber Enttäuschungen wie drei Reihen Möhren die kaum keimen vermeiden, sollte man eine Keimprobe machen. Dazu nimmt man eine kleine Schale und zählt sich eine Anzahl Samen ab. Dann streut man sie auf eine saugfähige Unterlage wie Klopapier, Watte oder Küchenrolle und feuchtet das Ganze an.

 

 

Nun noch abdecken und an einen passenden Ort stellen. Passend heißt hell für Lichtkeimer, in einen Schrank oder abgedeckt für Dunkelkeimer. Dann ist noch die richtige Temperatur  wichtig. Die steht auf der Packung. Tomaten keimen nicht bei 5°C – Ackerbohnen sehr wohl.

 

 

Dann heißt es abwarten. Auch die Keimzeit steht üblicherweise auf der Packung oder in einer Keimtabelle. Zwei Wochen auf keimende Kresse zu warten macht keinen Sinn, Paprika in nach zwei Tagen als nicht keimfähig zu verwerfen ist ebenfalls blödsinnig.

Abzählen der Samenkörner für die Keimprobe ist deshalb wichtig, weil man am Ende die gekeimten Sämlinge ebenfalls zählt und so die Keimfähigkeit in Prozent ermittelt. Dann erhöht man bei der Aussaat ganz einfach die Aussaatmenge entsprechend, und hat am Schluss geschlossene statt lückige Sämlingsreihen.

Dann klappts auch mit den Möhrchen.

 

 

 

 

 

 

4 thoughts on “Praxistipp: Keimst du noch?

  1. Ist ja interessant! Vielleicht beschäftige ich mich auch mal näher mit dem Gemüseanbau, wenn ich mal in Pension bin. Jetzt fehlt mir einfach die Zeit. Ich bin froh, dass ich zwei Gärten einigermaßen in Schuss halten kann! Das klappt nur, weil alles sehr pflegeleicht angelegt ist. Mit den Gemüse-Mimosen klappt das nicht!
    viele Grüße von
    Margit

    • Das stimmt schon, Margit. Etwas Zeit beansprucht ein Küchengarten schon. Dafür habe ich den Ziergarten etwas zurück gefahren.
      Viele Grüße
      Claudia

  2. Hallo Claudia,
    haha, also keimt Giersch leicht aus Samen – findet man vielleicht auch bald im Gartencenter unter Wildgemüse. 😉
    Egal wie frisch die Samen sind, ich würde auch Abstand nehmen von Bärlauch… Funktioniert einfach nicht bei mir mit der absichtlichen Aussaat. Die vorhandenen Pflanzen aber versamen sich immer, aber wie lange die Keimung gedauert hat bekommt man so ja nicht mit…
    VG
    Elke

    • Hallo Elke,
      bei mir läuft es mit dem Bärlauch exakt genau so.
      Nie ist auch nur ein Samenkorn gekeimt. Ein paar gepflanzte Zwiebeln versamen schon inzwischen in den Terrassenfugen. An Bärlauch herrscht jedenfalls kein Mangel.
      Viele Grüße
      Claudia

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