Blackbox Gardening

Ein paar Kartoffeln

Wer einen solch kleinen Küchengarten in der Stadt hat, nutzt jede Möglichkeit um noch irgendwie Pflanzen unter zu bringen. Die im ersten Jahr noch riesig erscheinende Beetfläche, schrumpfte in den Folgejahren auch in meinem Kopf auf ein realistisches Normalmaß. Denn Gemüse braucht viel mehr Platz als man denkt, und jeder Zentimeter Beet ist daher kostbar. Also pflanzt man in alle möglichen Gefäße wie beim Urban Gardening – was es ja tatsächlich auch ist.

Eine meiner improvisierten Pflanzstellen ist ein alter, großer Zinkkübel, den ich einmal vor vielen Jahren von einer Nachbarin  geschenkt bekam, die ihn in den Müll werfen wollte. Bis vor ein paar Wochen wuchsen darin besondere Erdbeersorten. Die sind ja inzwischen in den Einkaufswagen umgezogen.

Nun sollte auch der Kübel umziehen. Gleichzeitig musste zumindest ein Teil der alten, verbrauchten Erde erneuert werden. Bei der Größe ist es sowieso sinnvoll einen Teil zu entnehmen – schon wegen des enormen Gewichts. Was beim Buddeln zum Vorschein kam schockierte mich dann doch.

Vermutlich habe ich über all die Jahre verdrängt, dass ich als Unterbau und Drainage gefühlt ein halbes Haus unten rein gekippt hatte. Pflastersteine, Ziegel, zerdepperte Dachpfanne und kaputte Tontöpfe. Das hatte was von einer archäologischen Fundstätte. Was für ein Sammelsurium. Aber der Pott war jetzt immerhin mühelos transportabel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch ein unbekanntes Wesen kam bei der Aktion zum Vorschein. Eine kurze Whats App-Anfrage bei meiner Tochter brachte ebenfalls keine weiteren Hinweise zu Herkunft und Abstammung. Inzwischen nur noch einäugig, für ein Häschen zu kurze Ohren, für ein Eichhörnchen zu kurzer Schwanz. Vielleicht ein Hamster aus dem letzten Jahrtausend?

 

 

Da der Topfboden inzwischen ein, zwei Löcher hat, ist eine Drainage in dem Maße gar nicht mehr nötig. Nur eine dünne Schicht Tonscherben kam unten rein. Dann wurde neue Erde gemischt. Die alte Erde von Wurzeln befreit mit neuer Erde und Perlite vermengt. Dazu Holzasche zum Düngen und etwas Kompost. Urgesteinsmehl zur Verbesserung des Mineralstoffgehaltes und der Struktur des Bodens kam auch noch dazu.

Gepflanzt habe ich dann Kartoffeln. Und zwar die Sorte ‘Franceline’. Eine sehr leckere, festkochende Sorte mit dekorativer roter Schale und gelbem Fruchtfleisch. Die Knollen werden sehr lang. Deshalb ist die Sorte ideal für alles was Scheiben erfordert – von Salat bis Bratkartoffeln. Sie werden sehr gleichmäßig.

Da die Sorte verstärkt dazu neigt Doppelknollen zu bilden, wird sie von findigen Marketingstrategen auch als “Herzkartoffel” angeboten. Ich bin gespannt, ob bei mir dann auch Herzen wachsen. Zum Schälen wären mir die normal geformten Knollen allemal lieber.

Fünf Stück habe ich in den Kübel gelegt. Oben ist jetzt noch reichlich Platz. Denn Kartoffeln wollen nach und nach angehäufelt werden. Da geschieht hier dann mittels Nachfüllen von Erde. Kartoffelpflanzen sind s.g. Stammwurzler. Das heißt alles was an Stamm unter der Erde ist setzt weitere Wurzeln und somit auch Knollen an. Die Ernte wird also höher ausfallen als ohne Anhäufeln.  Darüber hinaus ist alles an der Pflanze giftig was grün ist. Das Solanin bildet sich unter Lichteinfluss parallel zum Chlorophyll. Ergo macht Anhäufeln auch als Lichtschutz Sinn.

 

 

Ich bin schon auf die Ernte gespannt. Die ‘Franceline’ hatte ich noch nicht, und hab keine Ahnung wie gut sie für Topfkultur geeignet ist, und wie reich oder mickrig der Ertrag sein wird.

 

 

Im übrigen ist der Schnittlauch gestern auch umgezogen. Er bewohnt jetzt eine alte Bäckerkiste, in der bisher unter dem Gartenhaustisch Düngemittel usw. gelagert wurden. Die passt nämlich unten in den Einkaufswagen. Aber ich glaube so ideal ist ist es nicht. Entweder versuche ich ein oder zwei dekorativere Holzkisten bei meiner Gemüsehändlerin auf dem Markt zu besorgen, denn die sind niedriger und weitaus hübscher. Oder ich muss den Schnittlauch doch woanders hin umsetzen. Das Konstrukt sieht doch ein wenig gequetscht aus. Ich schätze auch der hintere Schnittlauch wird zu wenig Licht bekommen. Aber es wäre ja langweilig wenn alles auf Anhieb und wie gedacht funktionieren würde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Ein paar Kartoffeln

  1. Ich hatte hinter meiner Buchshecke so ein “Abfalllager” mit Tonscherben etc. Das hat niemanden gestört und ich war es (vorerst) los! Irgendwann hat mich das Chaos dann doch gestört und ich habe alles mühsam eingesammelt und ordentlich im Wertstoffhof entsorgt. Jetzt bin ich froh darüber, weil ja meine Buchshecke dem Zünsler zum Opfer gefallen ist. Jetzt ist meine Schmuddelecke einsehbar. Es wäre peinlich, wenn das ganze Gerümpel jetzt zum Vorschein gekommen wäre. Die Idee mit den Kartoffeln im Topf gefällt mir. Vielleicht sollte ich das auch mal probieren. Ich habe noch eine größere Zinkwanne ungenutzt herumstehen!
    Viele Grüße von
    Margit

  2. Hallo Claudia,
    ich hatte es letztes Jahr auch mal mit Kartoffeln versucht. Allerdings habe ich es wohl mit dem Anhäufeln zu gut gemeint – aus meinem Erdhaufen ist nicht eine Kartoffel gewachsen. Der Monschder will ja unbedingt Bamberger Hörnle anbauen. Also werde ich es vielleicht nochmal versuchen. Sollte ja wohl machbar sein 🙂
    Dir eine schöne Woche.
    Liebe Grüße,
    Krümel

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