Monstera obliqua

Ein Leben ohne Zimmerpflanzen? Nicht wirklich.

Früher waren meine Räume die reinsten Dschungel.

Schon als Kind habe ich alle Ableger, Stecklinge oder ausrangierten Zimmerpflanzen gehortet, derer ich habhaft werden konnte. Das führte manchmal zu langen Gesichtern. Zum Beispiel als mir eine Nachbarin einen Kaktus überließ, der bei ihr so vor sich hin lebte, nicht wuchs und nie blühte. Damals in den 70ern waren Kakteen sowieso out. Er sollte daher im Mülleimer verschwinden, landete aber auf der Fensterbank meines Kinderzimmers und war ein paar Monate später von roten Blüten übersät. Unsere Nachbarin nahm es persönlich und war ob dieser Undankbarkeit des Grünlings pikiert.

Eine andere Geschichte war eine gekeimte Kastanie, die ich auf dem Schulweg fand. Natürlich habe ich sie mit nach Hause genommen und getopft. Erst mal nur im Zimmer auf der Fensterbank gehalten, und als das Bäumchen so ca. eine halben Meter groß und zu unhandlich war, durfte es in den Garten umziehen. “Garten” war ein winziger Streifen Rasen mit schmalen Beeten drumherum hinter der Hausmeisterwohnung meiner Eltern. Ich war damals 13 oder 14. Was aus Rosskastanien mal wird – davon hatte ich keine Vorstellung. Ich wette die heutigen Bewohner fragen sich welcher Idiot bloß diesen viel zu großen Baum da hin gesetzt hat.

Jetzt, 45 Jahre später, wohne in einem ganz anderen Stadtteil. Meine Kastanie hatte ich längst vergessen. Heute fiel sie mir wieder ein und ich bin mit Google Earth hingeflogen. Und siehe da: die Kastanie steht noch. Anscheinend hat man sie regelmäßig beschnitten, um die Größe im Griff zu haben. Gerade frage ich mich welche Blütenfarbe sie wohl hat. Rot oder Weiß?

 

Die Pflanzenmanie zog sich weiter durch mein Leben. Jede Wohnung wurde begrünt. Ich hatte immer helle Räume mit großen Fenstern. Dann zogen wir in dieses Haus. Ehemalige Eisenbahnersiedlung, Altbau, kleine Fenster, eher dunkle Räume dank zu großer Bäume davor, und die hellen Plätze alle über bollernden Heizkörpern. Das ist für Pflanzen nun wirklich nicht ideal. Dafür hatte ich jetzt einen Garten. Allerdings brauchen Kübelpflanzen Überwinterungsplätze; die gab es nur im Haus. Platz war extrem rar und im Sommer halten wir uns sowieso meist draußen auf. Also verschwanden die Zimmerpflanzen nach und nach in andere Hände. Irgendwann waren sie alle weg. Das ging so einige Jahre.

Dann die nächste Änderung Ich bekam ein Gewächshaus. Nur sechs Quadratmeter Grundfläche, aber mit einem Heizgerät frostfrei und groß genug um endlich die Kübelpflanzen probat zu überwintern. Dafür war das Haus nun pflanzenlos – bis auf ein paar Kräuter in der Küche. Auf Dauer ist das für mich aber kein Zustand.

Also habe ich wieder angefangen die Zimmer zu begrünen – wobei die Bedingungen immer noch nicht viel einfacher sind. Heizungen und kleine Fenster sind geblieben – Platzmangel auch. Nur viel heller ist es geworden, dank des gefällten Ahorns. Immerhin etwas. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch und ein 70er-Jahre-Revival kommt mir zugute: die gute alte Makrameeblumenampel.

Dass ich das mal sage hätte ich vor bis vor Kurzem auch nicht geglaubt. Aber in ihrer schlichtesten Form aus hellem Makrameegarn geknotet, und mit upgecycelten, alten Übertöpfen in schlichtem hellgrau finde ich sie plötzlich richtig klasse. Das hat dann nicht mehr wirklich was mit meinen Erinnerungen an das grelle Orange und Kackbraun, mit Riesenmustern und Prilblümchen und den überladenen Knüpfsträngen mit Fransen und dicken Holzperlen zu tun. Sondern wirkt leicht, frisch und modern, und lässt den Pflanzen Raum zu wirken. Außerdem habe ich so eine Ampel in ein paar Minuten fertig und kann sie problemlos den Pflanzen in Größe und Umfang anpassen.

 

In dieser schwebt eine normale Grünlilie Chlorophytum comosum, wie sie fast in jedem Haushalt vertreten ist. Pflegeleicht und leicht zu vermehren, weil sie jede Menge Kindel an langen Nabelschnüren bildet. Außerdem ist sie luftreinigend und soll sogar Formaldehyd au der Luft filtern.

 

Zimmerpflanzen

 

Eine andere Sorte derselben Pflanze ist die “Bonnie”. Sie hat gedrehte Blätter. So ein wenig Naturkrause auf dem Kopf. Blöde nur, dass ich sie zu weit in den Raum gehängt hatte. Das hat ihr gar nicht in den Kram gepasst und sie hat mich mit Rückwärtswachstum bestraft. Vor kurzem habe ich sie an einen wesentlich helleren Platz umgehängt. Ich hoffe sie erholt sich hier und treibt wieder durch. Momentan bietet sie eher einen traurigen Anblick.

 

Zimmerpflanzen

 

Auch eine altbekannte und robuste Pflanze ist die Efeutute. Ich kenne sie seit jeher unter Rhaphidophora aurea. Inzwischen haben da aber wohl auch die Botaniker für ordentliche Verwirrung gesorgt. Zur Auswahl stehen noch:  Epipremnum pinnatum Aureum, Epipremnum aureum, Scindapsus aureus. Was davon aktuell wirklich korrekt ist? Keine Ahnung. Im Treppenhaus hängt sie jedenfalls gut – egal unter welchem Namen.

 

Zimmerpflanzen

 

Diese Pflanze musste ich unbedingt haben. Ich habe sie schon oft in Videos und auf Fotos aus den USA und Kanada gesehen. Mit den Jahren bilden sich viele Meter lange, hängende Triebe, deren Blätter ein wenig an den Geldbaum Crassula ovata erinnern. Im englischen Sprachraum wird sie “Traling Jade” genannt, bot: Senecio jacobensii. Auch nach monatelanger Suche habe ich in Deutschland kein Exemplar finden können. Selbst Europa ist sehr schwierig. Weder über private Kleinanzeigen noch über Händler, nicht mal bei den einschlägigen Fachhändlern für Sukkulenten wurde ich fündig. Dann habe ich zwei bewurzelte Stecklinge aus Spanien ergattern können. Momentan sehen sie noch unspektakulär aus. Ich hoffe, das ändert sich mit der Zeit.

 

Senecio jacobensii Traling Jade

 

Auf einer der Wohnzimmerfensterbänke stehen noch ein paar Sukkulenten. Ich habe im Laufe der Jahre eine kleine Sammlung zusammen getragen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Mischung aus Heizungsluft mit wenig Licht, den meisten nicht so wirklich gut bekommt.

 

Sukkulenten

 

Am Übelsten trifft es dabei immer wieder die Echeveria. Immer gerne als Tischdeko weit vom Fenster und als wärmeunempfindlich empfohlen, haben sie viel lieber Temperaturen knapp über dem Frostpunkt und jede Menge Licht. Im Wohnzimmer sehen die schönen, flachen Rosetten bald so aus. Total vergeilt.

 

Echeveria vergeilt

 

 

Auch ein wenig wie eine hängende Form des Geldbaums sieht diese Pflanze aus, allerdings mit kleineren Blättern: Portulacaria afra. Aus einem winzigen Steckling mit 3 Blättchen, den ich vom Boden aufgelesen hatte, wurde binnen 2 Jahren dieses Exemplar. Eigentlich soll sich die Pflanze zu einem kleinen Baum oder Strauch bis zu vier Metern Höhe entwickeln. Nun ja, am Stamm müssen wir wohl noch ein wenig arbeiten. Vielleicht nächsten Sommer im Freien.

 

portulacaria afra

 

 

Schlichte herzförmige grüne Blätter ohne Zeichnung, dank seines Heimatstandorts unter dem Blätterdach des tropischen Regenwaldes mit wenig Licht zufrieden und sogar weitgehend unempfindlich gegen unsere trockene Heizungsluft. Das waren wohl die Zutaten der Erfolgsformel vom allseits bekannten Philodendron scandens. Das wohnte schon bei unseren Großmüttern im Wohnzimmer und bewährt sich bis heute, wenn man eine Pflanze sucht, die schnell lange Ranken bildet.

 

Philodendron scandens

 

Auch eine Pflanze, die lange Ranken treibt, ist Monstera obliqua. Sie hat erst in den letzten Jahren den Weg in die Wohnzimmer gefunden, nachdem sie auf Instagram gehypt wurde.

 

Monstera obliqua

 

Wie ich finde aber völlig zurecht. Denn wer mit der allseits bekannten raumgreifenden Monstera deliciosa platztechnisch überfordert ist, der ist mit diesen, mindestens genauso hübschen, Blättern gut bedient.

 

Monstera obliqua

 

Die M. deliciosa musste vorübergehend dem Weihnachtsbaum Platz machen. Hier sieht man jetzt richtig wie groß sie schon ist.

 

Monstera deliziosa

 

Hier stehen noch ein paar dieser “Must-have-Pflanzen”.

 

Zimmerpflanzen

 

Eine ist die ebenfalls über Social Media bekannt gewordene Pilea peperomioides auch Glückstaler oder Ufopflanze. Sie gilt als sehr pflegeleicht. Ich halte die eher für ein bisschen zickig. Die erste ist gleich eingegangen. Was doof ist, denn sie sind nicht ganz billig. Dann habe ich im Sommer in einem Gartencenter Minipflänzchen gefunden, drei Stück gekauft und zusammen gepflanzt. Sie sind sehr gut zu einer großen und dichten Pflanze herangewachsen. Allerdings zickt sie seit die Heizungen laufen und verliert ein Blatt nach dem anderen. Jetzt sieht sie eher dürftig aus.

 

Pilea peperomioides Ufopflanze

 

 

Die andere ist die Sanseverie Sanseveria. Sie war schon seit den 60er und 70er Jahren in jedem Wohnzimmer und jeder Kneipe zu finden. Sie ist so robust, dass sie außer man ersäuft sie, kaum kaputtzukriegen ist. Bogenhanf wird sie auch genannt, denn ihre Blätter enthalten starke, hanfähnliche Fasern, aus denen man Seile machen kann. Es gibt sie inzwischen in unterschiedlichen Farben, Zeichnungen, Blattformen und Größen. Da kann man durchaus zum Sammler werden. Meine muss noch ein wenig wachsen. Es sind noch kleine Ableger.

 

Zimmerpflanzen

 

Auch so ein alter Bekannter, der inzwischen ein paar Verwandte mit panaschiertem Laub bekommen hat, ist der Gummibaum Ficus elastica. Ich habe den einfachen grünblättrigen. Aber ich spekuliere noch auf  ein Exemplar der Sorte ‘Tineke’ mit hell gerandeten Blättern und hübscher Zeichnung, oder noch besser die Sorte ‘Belize’ mit kunterbunten Blättern. Dann wäre da noch die ‘Rubin’ mit leuchtend rotem Austrieb und, und, und … ach ja.

 

Ficus elastica

 

Daneben steht eine Zimmeresche Radermachera sinica. Die ist nun wirklich eine Diva. Zu wenig Wasser = Blattfall. Etwas zu viel Wasser = Blattfall. Zu wenig Licht = Blattfall. Drehen, zu warm, zu kühl, deine Nase passt ihr nicht = rate mal. Genau! Blattfall! Die wirft wirklich für jeden Mist mit den Blättern. Ich wusste das vorher und habe es trotzdem versucht. Im Schlafzimmer bei moderaten Temperaturen und anscheinend genügend Licht hält sie seit sechs Monaten tapfer durch. Nur letzte Woche habe ich mich mal drei Tage nicht um sie gekümmert. Schon warf sie mir eine Handvoll Blätter vor die Füße. ZICKE!

 

Radermachera

 

Das hier ist auch so ein Opfer der Heizungsluft. Die Avocado – natürlich selbst gezogen –  schmeißt mir auch die Blätter hin. Ich habe sie jetzt ins Bad umgezogen. Ich hoffe sie berappelt sich dort wieder. Sie treibt jedenfalls oben neu aus. Übrigens habt ihr schon mal in der Natur einen Avocadosamen mit Zahnstochern drin gesehen? Nein? Eben. So ein Blödsinn. Einfach einen Pott mit Erde nehmen – Kern rein – fertig. Der keimt schon, wenn man ihn feucht und warm hält.

 

Zimmerpflanzen

 

 

Das hier ist das Ergebnis konsequenten Verabschiedens. Begonia maculata die Forellenbegonie war zu solch einem Riesen gewachsen, dass ich nicht mehr wusste, wohin damit. Darüber hinaus blüht sie ganzjährig was das Zeug hält und wirft mit den abgestorbenen Blütenresten rum. Daher braucht sie auf jeden Fall einen Platz, an dem sie rumsauen darf. Dreimal täglich hinterher fegen war mir auf Dauer dann doch zu unbequem. Deshalb ist Madame Forelle vor ein paar Monaten in einen anderen Haushalt umgezogen.

 

Forellenbegonie Begonia maculata

 

Natürlich durfte sie nicht ausziehen bevor ich ihr vorher noch ein paar Stecklinge abgeschnitten habe. Die haben in Wasser schnell gewurzelt und sind zwischenzeitlich in Erde getopft worden.

 

Zimmerpflanzen

 

Die Blätter sind so hübsch. Da könnte ich auf Blüten fast verzichten.

 

Forellenbegonie Begonia maculata

 

Und im Bad gibt es natürlich eine Nachfolgerin. Das große Zyperngras Cyperus alternifolius wohnt über den Winter hier.

 

Zimmerpflanzen

 

Die Yucca, die im Freien dank eines Spätfrostes fast hinüber war, hat wieder drei schöne Blattschöpfe bekommen.

 

Yucca

 

Ganz im Gegensatz zum schmalblättrigen Drachenbaum Dracaena marginata. Der hat es nicht überlebt. Glücklicherweise hatte ich aber vorher schon eine Sicherheitskopie gemacht. Die wächst jetzt hoffentlich zu einer schönen Pflanze heran. Noch ist sie ein wenig mickrig.

 

Dracaena marginata

 

Last but not least die Purpurtute Syngonium podophyllum. Sie steht im Wohnzimmer ein ganzes Stück vom Fenster entfernt. Der Platz gefällt ihr bisher ganz gut. Meist werden diese Pflanzen als dichte Büsche verkauft. Um so erstaunter ist man, wenn sich die Triebe plötzlich strecken und sich die Puschelpflanze als Ranker entpuppt.

 

Purpurtute Syngonium podophyllum

 

 

So, genug für heute. Viele “Zimmerpflanzen”, vor allen Dingen Sukkulente, stehen im Gewächshaus. Dicht an dicht auf Stellagen und daher nicht gut zu fotografieren. Aber die Methode hat sich bewährt. Seitdem kommen sie alle über den Winter, ohne zu vergeilen, und oft blühen sie dort schon im Winter.

 

 

 

Kommt gut ins Jahr 2021!

 

Bis bald

                                       

 

 

 

5 thoughts on “Ein Leben ohne Zimmerpflanzen? Nicht wirklich.

  1. Ich habe hier auch keine idealen Bedingungen für Zimmerpflanzen. Ein paar habe ich aber doch. Vor einigen Wochen habe ich ein Einblatt neben der Biotonne entdeckt und natürlich gleich mitgenommen. War doch gerade eines meiner Exemplare so voller Läuse, dass ich sie entsorgt habe.
    Witzig, dass Du Deine gepflanzte Kastanie wieder entdeckt hast.
    Einen guten Start ins neue Jahr wünscht Dir
    Margit

    • Hallo Margit,
      ja, das Einblatt ist bei mir auch grundsätzlich ein Problem. Dabei wird es doch als so pflegeleicht und ideal für lichtarme Räume verkauft. Hat denen, die ich hatte, aber wohl niemand gesagt.

  2. Hallo,
    Ich bin auch so ein Pflanzen Fan, deine Pflanzen kenne ich alle, einige davon habe ich auch.
    Danke für deinen interessanten Beitrag. Würde mich sehr über einen Besuch von dir freuen.
    Liebe Grüße Katrin von icefeetestet.

  3. Hallo Claudia,
    ein Haus ohne Zimmerpflanzen kann ich mir auch nicht vorstellen.
    Eigentlich klappt das auch ganz gut. Aber seit einem Jahr leiden einige Pflanzen wie Elefantenfuß und Orchideen unter Wollläusen. Wahrscheinlich habe ich sie mir mit einer neuen Orchidee ins Haus geholt. Egal was ich ausprobiere, ich bekomme die fiesen Tiere nicht in den Griff.
    Ansonsten sieht es bei mir ganz ähnlich wie auf deinen Bildern aus.
    Liebe Grüße
    Anette

    • Ja, so manche Schädlinge könne echt hartnäckig sein. Ich hoffe, du kriegst die Viecher noch in den Griff.

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