Narziss(e)

Narziss und Narzisse.

Auch wem das dritte Buch der Metamorphosen von Ovid nicht geläufig ist, kennt doch den Mythos des Nariss ( lat. Narcissus). Jenes außergewöhnlich schönen Jünglings der von allen bewundert und geliebt wird, dies aber niemals erwidert. Bei einem Jagdausflug kommt er an eine Quelle und sieht darin das Gesicht eines wunderschönen jungen Mannes und verliebt sich, ohne zu ahnen, dass er nur sein eigenes Spiegelbild sieht.  Als Narziss den Irrtum bemerkt stirbt er vor Entsetzen und Gram. Statt seines Leichnams finden seine Begleiter an dieser Stelle eine ebenso schöne Blume – die Narzisse.

Und schön ist die Narzisse Narcissus noch immer und gilt uns inzwischen als das Symbol des Frühlings schlechthin. Heute gibt es eine fast unüberschaubare Anzahl von Züchtungen die aus der Art, der Osterglocke Narcissus pseudonarcissus, selektiert wurden. Immer noch ist die Hauptfarbe gelb. Aber auch Lachs, Orange, Weiß und sogar Rosa und alle Kombinationen untereinander, finden sich heute im Farbspektrum. Von wenigen Zentimetern kleinen Winzlingen bis zur 50 cm hohen Tazette. Sorten mit mehreren Blüten und solche mit mehrfach gefüllten. Die sich am passenden Standort stark vermehrende Dichternarzisse Narcissus poeticus und viele andere wunderbar duftende Sorten.

Im Gegensatz zu einem anderen Frühlingsblüher, der Tulpe, ist die Narzisse an fast jedem Standort ausdauernd und kommt nicht nur jedes Jahr wieder, sondern vermehrt sich auch über Brutzwiebeln. Vorausgesetzt sie bekommt genug Licht und der Boden ist gut drainiert. Selbst im Schatten großer Bäume wächst und blüht sie. Wenn das Laub der Bäume wieder austreibt geht die Narzisse schon wieder in die Sommerpause. Ein wenig Dünger nach der Blüte um Kraft für das nächste Jahr zu sammeln, und die Möglichkeit ihr Laub vollständig einzuziehen reichen ihr um jedes Jahr erneut zur Blüte zu kommen.

Die Narzisse lebt lange – im Gegensatz zu Narziss.

Auch ich habe einige Sorten im Garten und möchte sie keinesfalls missen, obwohl Gelb nicht unbedingt meine Farbe ist. Nach der Blüte sollte der Blütenstiel entfernt werden, da die Samenbildung unnötig Kraft kostet. Wen das absterbende Laub stört, kann es machen wie ich und daraus Zöpfe flechten. Schon einige Besucher in meinem  Garten haben sich erstaunt nach den ungewöhnlichen “Zopfpflanzen”  erkundigt.

 

 

 

 

 

Die Mutter des Narziss hieß übrigens Liriope. Auch sie steht im meinem Garten. Sie blüht allerdings erst ab dem Spätsommer. Schade. Sie würde so gut zu ihrem Sohn passen.

Liriope muscari

Liriope muscari