Ausgeheckt

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In unserem Garten wurde im Laufe von Jahrzehnten so einiges ausgeheckt. Ich meine damit nicht (nur) dumme Ideen, sondern auch ein paar ausgesprochen sinnvolle. Es geht um die Anpflanzung von Hecken.

Wer jetzt spontan an ellenlange Monokulturen von immer gleichem Grünzeug mit Hausmeisterschnitt denkt, liegt falsch, obwohl es natürlich auch Antibeispiele gibt. Ich spreche von abwechslungsreichen Einfassungen mit ganz unterschiedlichen Pflanzen, die Zäune ersetzten und noch einige andere Aufgaben übernehmen.

Die Rede ist beispielsweise von der Ligusterhecke, die unseren Vorgarten abschirmt. Ich will den hässlichen Müllplatz der Nachbarhäuser nicht sehen, und ich will ohne dauern angestarrt zu werden auf der Bank im Vorgarten die letzten abendlichen Sonnenstrahlen genießen. Liguster hat den großen Vorteil, dass er wintergrün ist. Das heißt er behält die Blätter über den Winter und wirft sie erst nach und nach ab bis der Neuaustrieb im Frühling kommt. So bleibt der Sichtschutz weitgehend erhalten und auch ein gewisser Lärmschutz ist gegeben.

 

 

Es gibt verschiedene Ligusterarten. Wir haben Ligustrum vulgare Atrovirens gepflanzt. Da unser Vorgarten gleichzeitig der Küchengarten ist und nach Westen liegt, dient die Hecke gleichzeitig als Windschutz. Denn Gemüse mag es gerne warm und geschützt vor starken Winden und Schlagregen. Und den Wind zu brechen, dafür ist Liguster perfekt geeignet, selbst wenn man die Hecke aus Platzgründen nicht sehr breit wachsen lassen kann.

 

 

Außerdem wird er immer wieder gerne von Amseln zum Brüten benutzt. Im dichten Geäst sind ihre Nester gut unter gebracht. Und selbst als Vogelnährgehölz ist Liguster geeignet. Denn wenn man ihn blühen lässt – die weißen Blütendolden sind übrigens sehr hübsch – bildet er schwarze Beeren, die nicht nur dekorativ sind, sondern auch lange an der Pflanze bleiben. Viele Vogelarten machen sich gerne darüber her.

 

Ligusterbeeren

 

Gegenüber auf der anderen Straßenseite ist eine große Rasenfläche mit einer Mischhecke eingefasst. Hier hat man Wert darauf gelegt, dass da niemand durch marschiert und entsprechende Pflanzen ausgesucht. Eine Mischung aus Berberitze, Mahonie, Feuerdorn und Scheinquitte macht die Hecke abwechslungsreich und bunt. Da alle Pflanzen mehr oder weniger gemeine Dornen haben bildet sie eine Art Festungswall. Mir persönlich wäre sie zu abweisend. Wer aber auch den Sicherheitsaspekt im Auge hat oder keine  Tretminen will, liegt damit schon richtig. Hier kommen weder Einbrecher noch schlecht erzogene Hunde durch. Dafür können sich die Vögel bedienen.

 

Mischhecke

 

Weniger schön sind die kahlen Stellen im Winter, denn nicht alle Gehölze behalten ihr Laub. Hier die Berberitze Berberis vulgaris.

 

 

 

 

Hinten im Garten steht schon seit vielen Jahrzehnzen eine Hecke aus Spitzahornpflanzen. Keiner kann sich erinnern wer sie gepflanzt hat. Nur warum ist klar. Unser riesiger, alter Ahornbaum schmeißt jedes Jahr mit mehr als genug Nachwuchs. Da hat man einfach kostenlos zugegriffen. Ein paar Dinge hat man dabei allerdings nicht bedacht. Blöderweise ist das große Laub ab dem Herbst futsch und kein Sicht- oder Windschutz mehr gegeben. Nächster Punkt: Die großen Blätter werden durch Heckenscheren zu hässlichen Fetzen mit braunen Rändern gestückelt. Will man die Hecke über den Sommer einigermaßen ansehnlich  ist Handarbeit angesagt. Da der Austrieb aber praktisch nur aus staksigen Schossern mit einzelnen Blattquirlen an den Enden besteht, ist nach dem Schnitt auch wieder der Sichtschutz hin und die Optik gleich mit.

Solch eine Ahornhecke ist aus diesem Gelände praktisch nicht mehr zu entfernen. Die Wurzeln reichen so tief in den Hang und die angrenzenden Grundstücke – die kriegt man ohne Bagger nicht mehr weg. Ich bin schon froh, dass es nur ein paar Meter sind und nicht die ganze Grundstücksgrenze damit eingefasst wurde.

Mit den anderen Pflanzungen muss man Abstand halten, da die dicken Ahornwurzeln Platz weg nehmen und außerdem Nahrung und Wasser entziehen. Wir müssen uns also mit dem Ding arrangieren. Lösung für mich war, hier eine Nische frei zu halten in der eine Gartenbank mit Rosenbogen platziert wurde. Aus der Hecke wächst eine historische Rose, die ‘Fantin Latour’. Die scheint noch älter als die Hecke zu sein, und wurde anscheinend einfach überpflanzt. Der Rosenbogen dient ihr nun als Stütze. So kann ich die Triebe nach vorne ziehen und beim Schnitt der Hecke verschonen.

 

Sitzplatz mit Bank

 

Um auch in der kalten Jahreszeit ein wenig Grün zu haben, pflanzte ich jeweils an beiden Seiten einen Lebensbaum Thuja.

Thuja und sind Zypressengewächse von erstaunlicher Robustheit. Sie wachsen auch im Wurzelbereich des Ahorns ohne Probleme, kommen mit Kälte, Trockenheit, Wind und Schatten klar. Außerdem sind sie schön weich anzufassen. Im kleinen Garten oder in der Nähe von Sitzplätzen ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Haut und Klamotten danken es.

 

Lebensbaum Thuja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während der Liguster hier immer im Frühsommer geschnitten wird, schneide ich die Thujen im Winter. Genauer gesagt Ende November. Denn das Schnittgut verwende ich für einen Teil der Adventsdeko und den Rest verwahre ich als Beetabdeckung  – falls es auch in Köln mal richtig kalt werden sollte. Und der Thujenschnitt stand dann letzten Monat auch wieder auf der Arbeitsliste. War auch dringend nötig. Schon sehr zerrupft sahen sie aus.

Also die Heckenschere aus dem Keller geholt und ran an die beiden.

 

Aber vorher wird immer noch kontrolliert was sich zwischen den Zweigen so findet. Diesmal ist es ein Amselnest. Aber auch Zaunkönige haben sich hier schon ein Zuhause auf Zeit gebaut.

 

 

Amselnest

 

Eine halbe Stunde später haben die beiden wieder eine vernünftige Form und auch eine Höhe. Denn die auf dem Foto linke wächst schneller als die rechte und musste um eine halben Meter gekürzt werden.

 

Ahornhecke

 

Aber vor allem die schlankere Form macht Sinn und diesen Gartenbereich wieder etwas heller. Jetzt heißt es auf den Frühling und die ersten Blätter an der Ahornhecke warten, damit der unschöne Anblick von Nachbars Grundstück wieder verdeckt ist. Nur gut, dass ich auf der Bank sitzend das Ganze im Rücken habe.

 

Lebensbaum Thuja

 

 

Wer sich jetzt fragt wieso ich nicht auf Wildgehölzhecken, Benjeshecken oder andere Heckenformen eingehe, dem sei gesagt, dass sie in kleinen Gärten einfach nicht machbar sind. Sie brauchen einigen Platz, und der ist in einem kleinen Reihenhausgarten halt nicht gegeben.

Trotzdem machen Hecken ökologischen Sinn wie man an meinen Beispielen sehen kann. Viel mehr als Zäune oder Gabionenwände. Und wer jetzt Lust auf eine Schnitthecke bekommen hat: Gehölze können auch im Winter gepflanzt werden. Solange der Boden frostfrei ist, ist das überhaupt kein Problem und auch die passenden Pflanzen bekommt man jetzt zu kaufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Gedanken zu “Ausgeheckt

  1. Ich habe auch einige Hecken übernommen. Die Ligusterhecke habe ich schon oft verflucht… das Schneiden ist immer ein Kraftakt – vor allem weil ich über Kopf schneiden muss. Immerhin fahre ich das Schnittgut nicht mehr weg, sondern verteile es unter den Sträuchern. Das hat sich gut bewährt. Mein Schwiegervater hat auch eine undurchdringliche Fichtenhecke gepflanzt. Zum Glück habe ich die vor einigen Jahren entfernt, das wäre wirklich übel geworden, wenn die erstmal eine gewisse Größe erreicht hätte. Da lob ich mir die niedrigen Hainbuchenhecken am Haus!
    Viele Grüße von
    Margit

  2. Hallo Claudia,
    ich bin auch ein Fan vom Liguster, weil er sich schön schmal halten lässt als Hecke und nur in ganz strengen Wintern richtig kahl wird. In milden Wintern ist er netterweise immergrün.
    Hainbuche und Feldahorn mag ich aber auch – und Vögel brüten sowieso in allen gern.
    VG
    Elke

  3. Hallo Claudia,
    auch ich bin ein Ligusterhecken-Fan. Nur blüht sie bei mir idealerweise mehrmals im Jahr: Im Vorgarten winden sich Staudenwicken an ihr hoch bzw. liegen oben auf. Und die ausgesamten Stauden am Fußweg binde ich an ihr fest.
    Hinten im Garten habe ich eine lichtere Ligusterhecke. Da war es allerdings eine blöde Idee den Schlingknöterich in sie einzuflechten. Aber eine Rosa multiflora macht sich darin sehr gut.
    Ansonsten bevorzuge ich jedoch gemischte Sträucher an den Grenzen. Aber wir haben ja auch wohl einiges mehr an Gartenfläche zur Verfügung …
    LG Silke

    • Hallo Silke,
      ja, Schlingknöterich ist in den meisten Fällen eine blöde Idee – die ich auch schon hatte. In der Hecke stelle ich es mir besonders übel vor.
      Viele Grüße
      Claudia

  4. Hallo Claudia,
    schön zu wissen, dass ich nicht alleine so blöd bin 😉 Eigentlich wäre das Wetter jetzt ideal meine Sünden der Vergangenheit mal in den Griff zu bekommen … Nur durch die Winterankündigung musste ich jetzt erst einmal meine Kübelpflanzen warm einpacken bzw. auf dem Friederike-Rosenhochbeet versenken. Sonst hätte ich vorgestern bei schönstem Frühlingswetter sicherlich schon viele Ranken heraus gezuppelt. Ich hoffe nur, dass die Ranken dort nicht allzu oft schon den Boden erreicht haben und verwurzelt sind. Denn sein Hauptstandort ist eigentlich der alte Apfelbaum gleich neben der Hecke. Wir haben schon oft mit dem Schlingknöterich gekämpft. Eigentlich ist es ja gar nicht so schlimm, und seine meterlangen Ranken ergeben herrliche Kränze. Nur jetzt ist er mal wieder außer Kontrolle geraten …
    Eine gemütliche Winterzeit wünscht Silke

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