Worst case Pflanzen

Worst-Case-Pflanzen

Jeder von uns Pflanzenbesessenen ist irgendwann in den Pflanzenabteilungen von Supermärkten, Baumärkten oder bei Discountern unterwegs. Also in Läden wo nicht gerade die gärtnerische und botanische Höchstleistung im Vordergrund steht. Genau dort findet man Pflanzen die auffällig sind. Manche erst auf den zweiten Blick, andere schreien geradezu “BEACHTE MICH!”.

So einen “Schreihals” habe ich letztes Jahr in einem Baumarkt gesehen. Damals habe ich vor lauter Schreck vergessen ein Foto zu machen. Das ist mir letzte Woche, als ich dieses “Ding” wieder sah, nicht passiert.

Da sieht man schon von Weitem einen Verkaufstisch, der mit wunderschönen tropischen Zimmerpflanzen dekoriert ist. Unter anderem Paradiesvogelblumen Strelitzia reginae mit jeweils zwei prachtvollen Blüten. Das sind aber gerade mal 12cm-Töpfe in denen kleine Sämlinge dieser Art wachsen. So junge Pflanzen können selbst bei allerbester Pflege nicht blühen. Bei Strelitzien dauert das Jahre. Erst bei einer ordentlichen Größe und idealen Bedingungen setzen sie in unseren Breiten überhaupt Blüten an. Zusammenfassend: Sehr große Kübelpflanzen in sehr hellen Wintergärten mit genauer Temperaturregelung. Und da stehen blühende Winzlinge.

Des Rätsels Lösung: Die Blüten sind aus Plastik und einfach in die Baby-Pflänzchen gesteckt. Anders formuliert, greller Plastikmüll im Zimmerpflanzenkindergarten. Kunden die diese “Blüten” nicht berühren merken vielleicht gar nicht, dass sie verarscht werden. Großartig deklariert ist der Fake im Laden nämlich nicht. Da steht auf dem Etikett einfach nur Königs-Strelitzie und eine Pflegeanleitung in Symbolen. Habt ihr solch billige Tricks wirklich nötig, Bauha…?

 

Die bunten Blätter der Croton-Pflanzen links daneben sind übrigens echt und von der Natur so prachtvoll gefärbt. Sie zu kaufen macht dann auch Sinn. Ebenso wie die schöne weiß panaschierte Schefflera rechts. Ich habe es aber vorgezogen hier gar nichts zu kaufen – schon aus Prinzip.

 

 

Worst case Pflanzen

 

 

 

Ein weiteres Beispiel von Worst-Case-Pflanzen sind Echeverien. Da gibt es bei diesen IN-Pflanzen plötzlich ganz neue Sorten in erstaunlichen Farben – bis sie bröckelt. Ja genau! Angesprüht mit Lack hat man die armen Pflanzen. Assimilation unmöglich – Photosynthese auch. Im mickrigen Kunstlicht der Läden vegetieren sie ihrem Tod entgegen. Zur Weihnachtszeit auch gerne in Gold und Silber. Wer so was Gruseliges wirklich will dem kann ich nur empfehlen: “DANN GEH DOCH ZU NETT..!!! Vielleicht gibt es sie ja dort bald mal wieder.

 

 

Echeveria mit Farbe

 

 

Schlimmer geht nimmer? Doooch!

Es gibt tatsächlich blaue Orchideen. Die Blaue Vanda ist so eine.

Allerdings ist das echte Blau eher ein Violett und mit diesem grellen künstlichen Plastikblau nun wirklich nicht vergleichbar. Aber man sieht immer wieder in Gartencentern, bei Blumenhändlern an Marktständen, diese grellblauen Schmetterlingsorchideen Phalenopsis. Selbstverständlich steht da nirgends, dass diese Orchideen eigentlich weiß sind, und nur mit reichlich pigmentierter Farbe gegossen wurden damit der Kunde sein blaues Wunder erlebt. Denn egal was man euch auftischen will – es gibt keine blauen Phalenopsis. Punkt!

Dass es oft – neben den üblichen Verdächtigen – gerade Fachhändler sind die diese Fakes verkaufen finde ich geradezu ehrenrührig. Wo bleibt denn da die Standesehre der Blumenhändler und Floristen?

 

 

worst-case-pflanze

 

 

Pflanzen sind doch so schön. Es gibt sie in so großer Vielfalt. Die Natur bringt so viele erstaunliche Wesen hervor, dass man sich nie wirklich satt sehen würde. Warum muss denn diese Sauerei sein, Blüten künstlich zu färben? Warum Plastik in Pflanzen stecken? Haben wir nicht schon mit genug Plastikmüll zu kämpfen?
Und wenn man mittels aufgesteckter Strohblumenblüten blühende Kakteen vortäuscht ist das auch nicht besser. Zwar ist es dann wenigstens kein Plastik aber immer noch Verarsche.

Weshalb glauben denn irgendwelche findigen Geschäftemacher, sie müssten/dürften die Natur verschlimmbessern? Ganz einfach: Weil es leider viel zu viele Menschen gibt die diese Scheußlichkeiten kaufen, und so den Profit sichern. Deshalb – und nur deshalb!

Und deshalb werden mit Sicherheit bald die nächsten Worst-Case-Fakes in den Läden auftauchen.

 

ps.: Ich hoffe niemand kommt jemals auf die Idee mir sowas zu schenken.

 

 

 

7 Gedanken zu “Worst-Case-Pflanzen

  1. Liebe Claudia, ein super Artikel! Die blauen Orchideen habe ich auch jetzt wieder einmal gesehen. Das ist alles Verarsche pur. Ich kaufe so etwas sicher nicht.

    LG Kathrin

  2. BITTE WAS????
    Was für eine Verarschung ist das denn? Davon hab ich noch nie was gehört – erklärt aber, warum die Pflanzen spätestens nach dem Einsetzen vollkommen den Geist aufgeben. Diese Erfahrung hat gerade eine Nachbarin gemacht…
    Viele Grüße, Izabella

  3. Liebe Claudia,
    unfassbar, was es alles gibt! Das verstehe ich auch überhaupt nicht – es gibt so viele wunderschöne Blumen, wer kauft dann sowas?! Interessanter Artikel! Wieder was gelernt 🙂
    Liebe Grüße,
    Carina

  4. Hallo Claudia,
    sowas kann ich ja gar nicht leiden, weder angemalte oder geflochtene Pflanzen, noch mit Plastikblüten verzierte. Sowas boykottiere ich dann auch liebend gerne. Und hier darüber zu berichten ist sehr sinnvoll, danke dafür!
    VG
    Elke

  5. Diese Verarsche mit Pflanzen gibt es zB auch in der Aquaristik. Da findigen Geschäftsmännern grüne Unterwasserpflanzen wohl zu langweilig und rötliche sehr schwer zu halten sind: tauchen sie einfach bunte Pflanzen unter und verkaufen sie als Wasserpflanzen. Beliebt hier für vor allem Fittonia. Die sterben dann so innerhalb von 3-5 Wochen langsam vor sich hin Unterwasser. Oder auch Selaginella Arten, die sind nicht bunt, aber haben schöne Blätter und sterben noch langsamer untergetaucht (ca. 8-12 Wochen). Bringt halt mehr Geld wenn der Kunde ständig Pflanzen nachkaufen muss … 🙁

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