Schon wieder gelb

Vor wenigen Jahren habe ich in meinem Garten eine kleine Pflanze entdeckt, die ich garantiert nie gepflanzt habe, die aber mit bildhübschen und wie hochglanzlackierten Sternenblüten, aus dem schattigen Hang leuchtete.

Kurze Zeit später war sie wieder spurlos verschwunden und ich habe sie vergessen – bis zum nächsten Jahr. Da war schon eine tellergoße Fläche davon bedeckt. Auch sie verschwand nach wenigen Wochen wieder. Seltsam.  Und logisch, dass ich herausfinden musste was das bitte für ein Phänomen ist. Ein wenig Recherche brachte mich auf die richtige Spur.

Es ist das Scharbockskraut Ficaria verna, Syn.: Ranunculus ficaria L.

 

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Eigentlich ist dieses Hahnenfußgewächs ein Waldbewohner aber mein ungeliebter Spitzahorn schafft wohl die idealen Bedingungen. Da ist es anscheinen auch Wurscht, dass der Hang trocken ist, während das Scharbockskraut feuchten Boden bevorzugt.

Scharbockskraut gilt als Heilpflanze. Das Wort Scharbock ist ein alter Begriff für Skorbut. Diese Vitamin C – Mangelerkrankung war früher, als es im Winter kaum frisches Gemüse gab, weit verbreitet (nicht nur bei Film-Piraten) und konnte schlimmstenfalls zum Tode führen. Das Scharbockskraut ist nicht nur reich an Vitamin C, sondern auch eine der ersten Pflanzen die im Frühjahr austreiben. Somit wurde es damals hochgeschätzt und gesammelt wo man es finden konnte.

 

 

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Zwar ist Skorbut heute kaum noch ein Problem, aber Frühjahrsmüdigkeit kennen viele. Auch dagegen soll es helfen. Allerdings als Tee aus getrockneten Blättern, denn das frische Laub enthält Giftstoffe, die sich ab der Blüte verstärken. Allerdings sollen ein paar frische Blätter –  vor der Blüte geerntet – auch in einem Salat essbar sein. Auch äußerlich, in Form von Sitzbädern, soll es gegen Hämorrhoiden helfen. Die Wurzelknollen sollen aussehen wie Feigwarzen und lt. der alten Signaturenlehre soll ihr Saft Warzen beseitigen. Tatsächlich ist er leicht ätzend.

 

 

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Das Kraut verbreitet sich nicht nur über Samen, sondern auch über Brutknospen. Dadurch bilden sich im Laufe weniger Jahre große Teppiche. Auch bei mir im Garten kommen nun an allen möglichen Stellen neue Pflanzen und die älteren werden zusehend breiter. Da das Scharbockskraut aber schon kurz nach der Blüte vollständig einzieht und somit so schnell veschwindet wie es aufgetaucht ist, ist es (bisher) kein Problem.

Natürlich musste ich auch eine Kostprobe nehmen. Ich formuliere mal vorsichtig: Eine kulinarische Sensation schmeckt anders.

 

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Ein Gedanke zu “Schon wieder gelb

  1. Hallo Claudi,

    mir geht’s da genau wie dir: Da es immer wieder monatelang brav verschwindet, darf es im Frühling sein, wo es mag.

    Danke für deinen Mut – ich werd’s also nicht mampfen! *lach*

    Grüßle
    Billa

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