Samentüten

Kein Karneval und weitere Saaten

Fast zwei Wochen war jetzt Funkstille in diesem Blog. Die Grippe hatte mich erwischt, aber inzwischen geht es wieder aufwärts. Während andere Leute ab heute Karneval feiern, bleibe ich brav zuhause, kuriere mich weiter aus und blogge.

 

Draußen ist nichts zu machen. Der Winter hat Köln fest im frostigen Griff. Schon seit ein paar Tagen Kälte und  gelegentlicher Schneefall. Nach dem Fastfrühling ein herber Rückschlag.

Drinnen mache ich aber jetzt trotzten mit den Aussaaten weiter. Die Kälte wird nicht mehr lange anhalten, sagt mein Bauch. Die alte Bauernweisheit „Auf Lichtmess lasst es Winter sein, kommt der Frühling bald herein“ unterstützt das. Am 02. Februar war Lichtmess und es war arschkalter Winter. Dann geht es hier in Köln meist ab Mitte Februar schlagartig hoch mit den Temperaturen und ich will vorbereitet sein. Sämlinge für die Hochbeete und das Gewächshaus sollen schnell zur Verfügung stehen. Entsprechend habe ich gestern Gemüsesamen in die Erde gebracht.

Erde ist nicht ganz richtig, denn meine Aussaaterde war alle. Neue ist seltsamerweise noch nicht in den Läden, aber ich hatte im Kopf, dass ich vor einigen Jahren in reine Kokosfaser ausgesät habe. Damals hatte ich eine Großpackung dieser gepressten Kokos-Ziegel über Ebay gekauft. Leider waren die so fest gepresst, dass sie sie selbst mit heißem Wasser kaum ganz auflösten. Dicke Platten in der Mitte blieben steinhart und waren auch mechanisch nicht kaputt zu kriegen. Meine Begeisterung hielt sich naturgemäß in engen Grenzen. Aber in dem verwendbaren Teil, keimten die Samen damals sehr gut.

Gestern fielen mir in einem Billigladen wieder solche Kokospressdinger in die Finger. Ich gab ihnen eine Chance und habe zwei Stück mit genommen.

Sie sind etwas anders in der Form und ein Beutel zum Ansetzen ist beigepackt. Der schien mir jedoch etwas klein für 5 Liter fertiges Substrat. Also habe ich doch lieber eine richtig große Schüssel genommen.

 

Kokosfasern gepresstKokosfasern gepresst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich muss sagen, ich war begeistert. Innerhalb von 1-2 Minuten war mit 1,5 Litern warmem Wasser ein wirklich wunderbar fluffiges Kokossubstrat entstanden, und der komplette Ziegel hatte sich aufgelöst. Allerdings riecht das ganze nicht wirklich gut. Ein eher strenger Geruch. Keine Ahnung ob das normal ist. Aber egal – rein in die Saatschalen und Samen hinterher.

 

 

 

 

 

 

Folgendes habe ich gesät:

 

  • Kopfsalat ‚Maikönig‘
  • Pflücksalat ‚Lollo Rosso‘
  • Pflücksalat ‚Salat Bowl‘
  • Pflücksalat ‚Red Salat Bowl‘
  • Mangold ‚Bright Lights‘
  • Staudensellerie ‚Giant White‘
  • Porree ‚Elefant‘
  • Pack Choi ‚Misome‘
  • Glatte Petersilie ‚Genovese‘

 

Sie alle brauchen eine Keimtemperatur zwischen 15 und 18°C. Somit können sie sich die Saatschalen teilen.

 

Samentüten

 

 

Die Pflücksalate stammen auch einer Mischpackung der Firma „Garten Magie“ mit allen drei Sorten – und es sind Saatbänder. Hübsch nach Sorten getrennt sollen sie einfach in die Erde gelegt werden und die Jungpflanzen dann im richtigen Abstand auflaufen. Das übliche zu eng stehen soll damit gar nicht erst passieren, und das Vereinzeln soll sich erübrigen. Dafür zahlt man einen entsprechend höheren Preis.

Bei näherer Betrachtung frage ich mich allerdings wie das funktionieren soll, da die Samen in völlig unregelmäßigen Häufchen im Saatband verteilt sind.

 

samen

Saatband

 

Ehrlich – das hätte ich auch selbst gekonnt. Die werde ich garantiert nicht noch mal kaufen, denn auch wenn klar ist, dass dies nicht die hochpreisigste Marke ist, die Funktion sollte trotzdem erfüllt sein. Das ist sie hier aber ganz und gar nicht. 

Ich hoffe die Samen keimen wenigstens gut – auch von den Pak Choi – Samen der gleichen Firma. Wenn die Keimrate auch nicht stimmt ist „Garten Magie“ bei mir unten durch.

 

 

Neben all den anderen Gemüsen und Salaten habe ich auch Spinat ‚Matador‘ ausgesät. Im Herbst wollte er im Garten nicht keimen. Dass ich jetzt auch im Haus welchen ansähe, hat nur den Sinn einer Keimprobe. Die Samen sind schon älter und haben kein lesbares Haltbarkeitsdatum. Bevor ich wieder umsonst aussäe mache ich halt diesen Test.

Nun stehen die Schalen nicht sehr dekorativ auf der Kommode im Schlafzimmer bis die Kälte durch ist und die Schalen ins Gewächshaus umziehen können.

 

Aussaatschalen

 

 

Auch eine Frage der Haltbarkeit ist eine Spezialität die ich letzten Herbst bekommen habe. Es sind Samen der Kerbelrübe Chaerophyllum bulbosum, auch Knollige Kälberkropf, Erdkastanie, Rübenkerbel oder Knolliger Kerbel genannt. Sie ist wie Petersilie oder Kerbel ein Doldenblütler und bildet im ersten Jahr eine rübenförmige Wurzel aus, die früher zu den durchaus gängigen Gemüsen zählte. Verschwunden ist sie wegen ihres aufwändigen und komplizierten Anbaus.

Obwohl bei uns heimisch, stellt sie an den Gärtner einige Ansprüche. Die Samen sind nur sehr kurze Zeit keimfähig, dazu kommt des Umstand, dass sie Frostkeimer sind. Also sollen sie eigentlich im Erntejahr im Herbst gleich ins Beet gesät werden. Aber auch dann keimen sie unregelmäßig. Blöderweise gab es aber diesen Winter noch gar keinen Frost. Da das in Köln nicht ungewöhnlich ist, habe ich die wenigen und somit kostbaren Samen erst mal liegen gelassen. Erst jetzt habe ich sie in einen Topf gesät und draußen aufgestellt, denn es friert ja gerade so schön.

Ich bin sehr gespannt ob Samen aufgehen, und ob ich am Ende des Sommers frische Samen ernten kann und vielleicht sogar eine Rübe zum Probieren. Heute gilt die Kerbelrübe als echtes Gourmetgemüse, und der Aufwand soll sich lohnen. Schmecken soll sie wie Kartoffel mit Marone und etwas Petersilie. Ich bin gespannt.

 

Dagegen kuschelig warm bei der Anzucht brauchen es zwei weitere Kandidaten. Einerseits die Artischocken ‚Vert Globe‘. Ich hatte noch nie Glück mit Artischocken, kann es aber auch nicht lassen ab und zu wieder einen Versuch zu starten. In der Saatschale mit den Glockenreben waren noch ein paar Plätze an der Heizung frei, da durften sie einziehen.

 

Ebenfalls dort eingesät habe ich ein weiteres Experiment: ein paar einzelne Körnchen von Lulo oder auch Naranjilla, Inka-Pflaume oder Quito Orange Solanum quiotense.

Dieses Nachtschattengewächs bekommt große gezahnte Blätter mit lila Blattadern und Stacheln auf der Oberseite, die sie vor Fressfeinden schützen. Dazu gelb-orange tomatenähnliche Früchte mit einem einzigartigen, exotischen Geschmack. Die Pflanzen sind mehrjährig, und können frostfrei überwintert werden. Leider hatte ich nur exakt 3 Samen. Ich hoffe wenigstens einer keimt.

 

Ein Blick auf die Paprikaaussaaten: Alles gut. Inzwischen sind alle gekeimt. 

 

Paprikasämlinge

 

Und die ersten Laubblättchen werden auch bald da sein. Winzige Ansätze sind schon sichtbar. Ein ganz klein wenig langbeinig sind die Sämlinge. Die Lichtverhältnisse könnten besser sein, denn ich habe leider keine Growlights. Aber das ist nicht allzu schlimm. Dann werden sie halt beim ersten Umtopfen tiefer gelegt.

 

Paprikasämlinge

 

2 thoughts on “Kein Karneval und weitere Saaten

  1. Liebe Claudia, ich bin auch gerade fleißig am Aussäen. Leider machen mir einige Paprikasorten Probleme. Sie wollen in den Kokosquelltöpfen einfach nicht auflaufen. Ich versuche es jetzt mit diesen Kandidaten auf Küchenpapier, mal sehen, ob sich hier etwas tut. Vielleicht hast Du Lust unsere Blogs zu verlinken?

    LG Kathrin

    • Hallo Kathrin,

      Samen keimen eigentlich unabhängig vom Substrat. Erst nach dem Auflaufen gibt es Probleme wenn das Substrat dann vom Nährstoffgehalt, der Zusammensetzung, dem PH-Wert oder anderen Faktoren nicht passt. Ich könnte mir vorstellen, dass die Samen schlicht zu alt sind, weil es gerade Paprika sind, die dir die Probleme machen. Zu alt ist bei der Capsicum-Familie leider oft schon nach einem Jahr der Fall. Die Keimfähigkeit nimmt bei diesen Samen in ungewöhnlich kurzer Zeit rapide ab. Spätestens im dritten Jahr keimt da nix mehr.

      BU BIST SCHULD! Denn deine Anfrage nach der Verlinkung unserer Blogs, hat mich auf das lange vor mir hergeschobenes Thema Blogroll geschubst. Serienmäßig ist das bei WordPress nicht (mehr) vorgesehen, und die Einbindung ist hier nicht ganz so easy. Zumal ich den Blog optisch schlank halten möchte, und in letzter Zeit viel Zeit ins „Abspecken“ investiert habe. Nachdem ich den Vormittag mit Gefummel verbracht habe, findest du jetzt in der Sidebar den Button ‚Links zum Fremdlesen‘ eine Blogroll mit – natürlich – auch deinem Blog.

      Liebe Grüße und ein schönes Restwochenende.
      Claudia

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