Topf zerschlagen

Kein Zeitgefühl und Desastertöpfe in drei Akten

Erster Akt: Manche Pflanzen haben ein ganz mieses Zeitgefühl.

Mir ist schleierhaft wieso sie nicht in einen Kalender gucken, wieso sie nicht akzeptieren können, dass der Mensch Termine festlegt, an dem ganz bestimmte Dinge zu geschehen haben, auch wenn der Grund vielleicht fragwürdig ist. Und, dass ein willkürliches Ignorieren dieser Termine, zu Chaos führt. Das muss so eine Pflanze doch verstehen!

Nehmen wir ein Beispiel: Weihnachten. Liegt immer vom 24. – 26. Dezember. Jedes Jahr. Davor die Adventszeit, die vier Wochen dauert. In dieser Zeit ist alles erlaubt was mit Weihnachten zu tun hat. Guuut, es gibt ein paar Ausnahmen.

Weihnachtsgebäck, welches im Hochsommer gebacken, spätestens ab Anfang September in den Läden liegt. Oder, dass ich schon lange Adventskränze für den Verkauf anfertige. Die müssen schon in die Shops, die Kunden wollen sich ja schließlich die schönsten Stücke sichern (Buttons rechts). Dass die städtische Bedienstete schon die Weihnachtsbeleuchtung der Fußgängerzonen polieren, und die Weihnachtmärkte in wenigen Wochen öffnen, ist auch normal. Auch, dass es in den Blumenläden mit viel Aufwand vorgezogene Weihnachtskakteen gibt, die jetzt voller Knospen sitzen, um pünktlich zum Advent zu blühen.

Aber: Wieso kapiert mein Weihnachtskaktus Schlumbergera nie – nicht in hundert Jahren – dass wenn er jetzt schon blüht, an Weihnachten schon alles vorbei ist? Eigentlich ist er doch alt genug um das zu wissen.

 

Weihnachtskaktus Schlumbergera

 

Da steht er nun auf der Terrasse, ohne großartige Pflege, ohne Schutz vor kühlen Nächten und dann das: Blütenknospen zu Hunderten.

Jetzt haben wir aber ein Problem: Wenn ich ihn ins Haus bringe – was dank zusehends sinkender Temperaturen bald der Fall sein wird – wird er dank der veränderten Lichtverhältnisse erst mal ein Großteil der Knospen abwerfen. Neue wird er aber garantiert nicht bekommen.

An Weihnachten wird das Ding also wieder ein kahles, eher unschönes Etwas sein, und wird irgendwo hin verbannt wo man es nicht sieht. Gewächshaus, Dachboden … wie auch immer. Jedes Jahr das gleiche Theater. Denn dann stört Weihnachtskaktus die Weihnachtsdeko.

Wieso bitte lernt Weihnachts-Schlumbi das nicht?

 

 

Zweiter Akt: Die ersten Pflanzen kommen ins Haus.

Den ersten Topf mit der Tradescantia „Blushing Bride“ fische ich aus dem Kasten. Klasse! So habe ich mir das vorgestellt. Die Wurzeln haben den Topf gesprengt. Also nix mit einfach rein ins Haus. Erst mal umtopfen.

 

Wurzeln sprengen Topf

 

Vorher noch diverse Bewohner entfernen. Die hier werden das nicht überleben.

 

Schnecken am Blumentopf

 

Die schon. Ist ja noch ein Baby, und prinzipiell viel weniger gefräßig. Ab ins Beet mit Schneckchen.

 

 

Auch wenn schon ein Teil des Topfes fehlt, den Rest einfach abziehen ist nicht. Der da muss ran:

 

Topf zerschlagen

 

Jetzt kann man schön sehen wieviel Erde noch da ist – nämlich gar keine! Wo zum Henker verschwindet die eigentlich hin? Aus dem Abzugsloch geschwemmt werden kann nicht sein. Dann müsste sie im Kasten oder Übertopf liegen. Aber da ist nichts. Einfach spurlos auflösen, kann auch nicht sein. Die mineralischen Bestandteile der Erde sollten dann zumindest noch da sein. Fressen Wurzeln Erde? Wohl eher nicht. Wer des Rätsels Lösung kennt, schreibt mir bitte in die Kommentare.

 

Dritter Akt: Desastertöpfe.

Jetzt sind Übertöpfe gefragt. Die stehen bei mir im Gartenhaus, sicher oben auf dem Schrank. Dann sucht man sich die passenden Größen raus, und stellt fest: Nix passt zusammen, viele haben Macken, und die Zinktöpfe will ich dieses Jahr nicht schon wieder verwenden. Hhhhhhmmm …

Das Sammelsurium sieht so aus: Nicht wirklich schön. Grau und Silber lasse ich noch durchgehen. Aber Grün, Braun, Lila und haste nicht gesehen zusammen? Klares Nein!

 

Übertöpfe

 

Also landen die Pflanzen erst mal ohne Übertöpfe auf der Fensterbank und die Übertöpfe auf dem Arbeitstisch. Da werden sie alle von außen weiß. Schön shabby mit sichtbarem Pinselstrich, nicht ganz deckend und obendrein matt. Kleine Risse dichten dabei automatisch ab.

 

gestrichene Übertöpfe

 

Dann dürfen die Pflanzen endlich einziehen und  schon sieht es alles hell, freundlich und harmonisch aus.

 

Fensterbank mit Sukkulenten

 

 

Das ‚Errötende Bräutchen‘ ist, samt neuem Topf, in eine Makramee – Blumenampel gezogen. Die sind aktuell momentan wieder ganz im Trend. Ich habe dazu dunkle Schnur verwendet und eine schlichte Variante angefertigt, ohne Perlen und all zu viel Geknote. Ich mag es so lieber. Erinnert mich sonst zu sehr an die der frühen 70er-Jahre. Die hatte ich halt schon mal.

 

Blumenampel Macramee

 

 

Aktuell gibt es im Garten übrigens noch ein paar zeitverpeilte Pflanzen.

Der Rosmarin ist erneut voller Blütenknospen. Normalerweise blüht er ganz früh im Jahr. Aber jetzt schießt er eine Herbstblüte nach. Woran es wohl liegt?

 

Blühender Rosmarin

 

Genau so verpeilt mein Ziertabak Nicotina sylvestris. Im Frühling ausgesät, etwas langsam gewachsen, setzt er nun die ersten Blüten an. Toll! Mal sehen wie lange das gut geht.

 

Ziertabak

 

Die Forellenbegonie Begonia albopicta var. rosea ist immer in der Zeit. Ganzjähriges Blühen ist normal. Gerade tut sie es besonders üppig. Begonien brauchen eine gewisse Mindestwärme. Jetzt brauche ich für das große Ding einen passenden Platz. Einen warmen, hellen, wo ich das Gießen nicht vergesse und wo die dauernd rieselnden Blütenreste egal sind. Wird sich schon ein Plätzchen finden. Tut es doch jeden Herbst.

 

Blühende Forellenbegonie

 

 

 

 

 

4 thoughts on “Kein Zeitgefühl und Desastertöpfe in drei Akten

  1. Liebe Claudia!
    Mich heitern solche Worte auf 🙂 Nicht, weil ich dich auslache und dir deine schönen Blüten zu Weihnachten nicht gönne – im Gegenteil!!!!! Ich drücke dir alle Daumen! Sondern weil ich immer wieder feststellen muss, dass Pflanzen wie Kinder sind: Sie werden krank, wenn sie gerade blühen sollen (oder Geburtstag haben/Weihnachten/Ostern/Urlaub), sie blühen zu unmöglichen Zeiten auf (oder sind Abends um 11 Uhr putzmunter), sprengen Töpfe (machen alles kaputt, was in ihre kleine Finger gerät), und so weiter und so fort…
    Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn meine Kleine läuft und wie ihr großer Bruder alle frisch gepflanzten, zarten Blumen pflückt 😀

    • Hallo Izabella,
      „frisch gepflanze Blumen pflücken“ – da fällt mit eine Anekdote ein:
      Ich hatte meiner halbwüchsigen Tochter gesagt, das restliche Wasser aus dem Kocher muss man nicht weg schütten, sondern kann es zum Blumengießen verwenden. Ich hätte vielleicht noch dazu sagen sollen, dass es erst abkühlen muss ……
      Die Pflanzen starben an gekochten Wurzeln.
      LG
      Claudia

  2. Gute Idee mit dem Anmalen! So ein bisschen Harmonie könnte meine Fensterbank auch mal vertragen…. Immerhin sind die meisten Töpfe schon weiß, aber nicht alle.
    Mein Rhipsalis bekommt jetzt übrigens so dicke Kugeln an manchen Zweigenden – ob er doch blühen möchte?
    VG
    Elke

    • Hallo Elke,
      der will ganz bestimmt blühen. Zeig mal ein Foto wenn es soweit ist. Ich bin neugierig welche Farbe dabei heraus kommt.
      Liebe Grüße
      Claudia

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